Höhere BZÄK-Beiträge für Berliner Zahnärzte

Der Verein „Bundeszahnärztekammer“, in welchem auch die Berliner Zahnärztekammer bislang freiwillig Mitglied ist, erhöht die Beitäge und vorher noch die eigene Vergütung. Der Jahresbeitrag für jeden tätigen Zahnarzt wird um etwa 16 Prozent auf Euro 134,40 erhöht. Dies muss von der Berliner Zahnärztekammer dann auf die Kammer-Beiträge ab 2024 umgelegt werden.

Schon zu Anfang 2023 steigen aber die Entschädigungen der „ehrenamtlich“ Tätigen dort um weitere fünf Prozent. Diese Erhöhung der Enschädigung war Gegenstand des Subantrages 3. In seiner Rede vor der Bundesversammlung hat sich Dr. Andreas Hessberger gegen diese weitere Erhöhung ausgesprochen. Eine Mitschrift der frei vorgetragenen Rede ist hier im Anschluss angefügt.

Am Ende war die Zustimmung zur Erhöhung nicht so überwältigend, wie das veröffentlichte Abstimmungsergebnis glauben machen möchte. Es wurden offensichtlich nur jene fünf Nein-Stimmen aus Berlin gewertet, welche direkt vom Platz in der Versammlung per Handzeichen abgegeben wurden. Von Delegierten, welche sich außerhalb der Sitzordnung befanden, wurden die Nein-Stimmen anscheinend nicht gewertet. Des Weiteren hatten einige Delegierte vor der Abstimmung den Saal verlassen und etliche weitere sich garnicht mit entweder Ja, Nein oder Enthaltung öffentlich positioniert.

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Rede von Dr. Andreas Hessberger (IUZB),
Bundesversammlungsdelegierter der Zahnärztekammer Berlin, vom 05.11.2022 in München:

„Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich wende mich hier an Sie, weil ich die Hoffnung habe, dass sie den Subantrag 3 zum Anpassen der Aufwandsentschädigung nicht einfach durchwinken werden, sondern sachgerecht entscheiden – und zwar so sachgerecht, wie Sie auch in Ihren Praxen täglich sachgerecht Entscheidungen treffen – mit dem entsprechenden Fingerspitzengefühl.

Und wenn sie zu dem entsprechenden Ergebnis kommen sollten, dass 5 % eigentlich kein Problem sind, so möchte ich Ihnen doch folgendes zu bedenken geben: es gibt genügend Praxen, denen es nicht so gut geht – und für diese Praxen sind Sie heute auch hier. Sie vertreten auch diese Praxen über ihre Kammern.

Ich verrate Ihnen sicher kein Geheimnis, dass wir in Berlin knapp vor dem Austritt aus dem Verein hier standen. Dieser Antrag seiner Zeit ist nur sehr knapp gescheitert und zwar an einer einzigen Stimme – und das Thema ist noch nicht vom Tisch. Jetzt kann man natürlich fragen: Ist ein Austritt hier die einzige Lösung? Ich persönlich würde nicht unbedingt so weit gehen – sondern weiter.

Ich frage mich, ob hier lieb gewonnene Gewohnheiten und deren Kosten wirklich unveränderbar sind. Wenn ich mir den Haushalt anschaue – ich greife mir nur einen einzigen Punkt heraus – dann sind dort mehrere zehntausend Euro für den Ausflug nach Sydney und weitere 18.000 € für den deutschen Abend dort. Passt das noch in die heutige Zeit?

Und mal grundsätzlicher: Passen Ausrichtung und Aufstellung hier zu den Aufgaben, Herausforderungen und den gezeitigten Ergebnissen? Da, meine ich, lautet die Antwort: Nein.

Und wenn man sich diese Frage so grundsätzlich stellt, dann darf man nicht den Blick nach unten richten: Dann verliert man sich im Klein-Klein. Sondern der Blick muss nach oben gehen, viel mehr nach oben links hier: Dort sitzt die Führungstroika. Diese Troika möchte ab nächstem Jahr 28.000 € monatlich als „Basis-Entschädigung“.

Drei Punkte dazu: Erstens, das ist nur die halbe Wahrheit. Da kommen noch Kosten für Reisen und Sitzungsgelder in gleicher Höhe darauf.

Zweitens: Vor gerade mal drei Jahren wurde diese Aufwandsentschädigung um 25 % angehoben. Sie haben richtig gehört: 25 %! Wenn man nun diese 25 % und die 5 % zusammen legt, dann sind es nicht 30 %, sondern durch Zinseszins 31 %!
31 % mehr im kommenden Jahr – und das sind noch da sind nur noch wenige Tage dahin – gegenüber 2019. Vermitteln Sie das mal den Kollegen: 31 % mehr an die Zentrale nach dieser kurzen Zeit!

Wenn ich jetzt hier nach vorne schaue, dann sehe ich hier nicht nur den Vereins-Vorsitz, sondern ich sehe auch die Kammer-Präsidenten. Viele von denen bekommen deutlich weniger, als der Vereinsvorsitzende. Sie können natürlich fragen: Warum? Schlecht verhandelt? Das glaube ich nicht. Ich glaube – oder das hoffe ich, dass Sie das Wort „Ehrenamt“ noch mit Sinn erfüllen. Sie, liebe Kammerpräsidenten, Sie sind die Vertreter der Zahnärzte in Deutschland. Sie, und nur Sie, sind die obersten Repräsentanten der politisch verankerten Körperschaften in diesem Land. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss sich auch in der Relationen der Entschädigung wiederfinden.

Jetzt kann man natürlich fragen: ist dieser Punkt hier, den ich aufmache, an dieser Stelle richtig? Eine Neujustierung vielleicht des Selbstverständnisses? Ich meine: Ja. Denn jeder Weg, auch der längste, fängt mit einem ersten Schritt an. Und ich bitte Sie, diesen Subantrag 3 abzulehnen und diesen Schritt mit mir zu gehen.

Vielen Dank!“

Weiterführend:

22 Kommentare

  • Anonymous

    Das bedeutet eine Mehrbelastung von ca. 77.000.- Euro jährlich für den Berliner Kammerhaushalt.

  • Anonymous

    Dem Präsidium war es immer wieder wichtig, die gute Arbeit der BZÄK zu beschwören und nicht einmal in Ansätzen auf die konstruktive Kritik des Kollegen Hessberger eingegangen. Es ist so traurig, dass an tradierten Strukturen festgehalten wird, anstatt sich selbst kritisch zu hinterfragen, ob es nicht Möglichkeiten für Einsparungen gibt. Man müsste dann natürlich auf das eine oder andere Sitzungsgeld verzichten. Es wird schwierig sein, in Zeiten eines GKV-Stabilisierungsgesetz, den eigenen Kollegen diese Erhöhung zu "verkaufen".

    • Anonymous

      Welche konstruktive Kritik hat er denn vorgebracht, so mal auf die kurze..????

      1.?

      2.? 

      und ???

      lauter geplapper !!!!

      JH

      • Anonymous

        Sehr geehrter Kollege,

        ich fasse Ihnen die von mir vorgetragenen Punkte ganz kurz zusammen:

        1. Verzicht des Vereinsvorsitzenden auf weitere 5 Prozent Erhöhung der Entschädigung von bislang etwa 300.000 Euro für sein Ehrenamt.

        2. Überdenken des Umfangs mancher Ausgaben: Hier die Teilnahme an Auslandskongressen.

        Die Mehrheit hat dies jedoch eindeutig anders gesehen.

        Ansonsten möchte ich für meinen Teil die Diskussion an dieser Stelle beenden. Ich persönlich bin an einer funktionierenden, aber schlanker aufgestellten BZÄK interessiert. Dazu werde ich mich, trotz aller Differenzen, weiter an geeigneter Stelle einbringen.

        Beste Grüße, AH

         

  • Anonymous

    Leider hatte man den Eindruck, dass es diesen Herrschaften nur um die eigenen Pfründe geht, nicht um das Wohl der Kolleginnen und Kollegen!!!! Es ist ein EHRENAMT, was leider vergessen wurde. Diese Funktionäre sind in ihrer Maßlosigkeit zu einer schweren, nicht wahr JH, Hypothek für die Zahnärzteschaft geworden.

     

  • Anonymous

    So als normale Zahnärztin, die bei den letzten Körperschaftswahlen gewählt hat, gehe ich davon aus, dass die Erhöhung der Beiträge in der letzten Delegiertenversammlung diskutiert und dann beschlossen wurde. Wenn tatsächlich von unserer Berliner Delegierten die Beitragserhöhung beschlossen wurde, dann kann ich Herrn Hessberger und die Delegierten der Bundesversammlung nicht verstehen, die gegen eine Erhöhung gestimmt haben, denn es wäre Ihre Pflicht gewesen das Mehrheitsbild mitzutragen. 

    • Anonymous

      In der Berliner DV gab es keinerlei Diskussion über Erhöhung der Beiträge – wie können Sie davon ausgehen, bzw. wer verbreitet diese fake news?

    • Anonymous

      Sehr geehrte Kollegin,

      diese Erhöhung der Beiträge zu dem (Lobby-)Verein mit dem schönen Namen "Bundeszahnärztekammer" war keineswegs in der Delegiertenversammlung der Berliner Zahnärztekammer bereits besprochen worden. Damit kann es auch keine Abstimmung dazu gegeben haben. 

      Diese Beschlussvorlage wurde vielmehr erstmals vor einigen Tagen uns zugestellt. Ich, als einer der Vertreter für die Berliner Zahnärzteschaft dort, habe die Pflicht selbst zu bewerten, ob es eine Entscheidung im Sinne dieser Kollegenschaft ist. Und an einer Erhöhung der ohnehin überzogenen Bezüge der Vereinsvorsitzenden wollte ich mich nicht beteiligen und habe dies auch so dort vorgetragen. 

      Die zweite Entscheidung gleich danach betraf die allgemeine Beitragserhöhung für diesen Verein. Auch hier sind begründete Zweifel an der sinnvollen Verwendung für die Kollegenschaft angebracht. Ich habe dazu mit Sydney nur ein einziges Beispiel herausgestellt. In der Kombination aus der gerade vorher erfolgten Erhöhung der Vergütung wäre eine Zustimmung schlicht unangebracht gewesen.

      Dass bei dieser Abstimmung mehr als sonst im Saal fehlten, kann durchaus als Zeichen gesehen werden. Ich persönlich habe kein Problem damit, solche Fehlentwicklungen auch öffentlich zu benennen.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Dr. Andreas Hessberger

       

    • Anonymous

      Wie konnten Sie sich in dieser Form manipulieren lasssen? Dahingehend sollten Sie das Sie tragende System hinterfragen.

      Wikipedia: "Indoktrination ist eine besonders vehemente, keinen Widerspruch und keine Diskussion zulassende Belehrung. Dies geschieht durch gezielte Manipulation von Menschen durch gesteuerte Auswahl von Informationen, um ideologische Absichten durchzusetzen oder Kritik auszuschalten."

       

       

    • Anonymous

      Liebe Kollegin, großartig, dass Sie gewählt haben, ohne Wahlen gibt es keine Demokratie. Leider ist die Wahlbeteiligung in unseren Berufsstand sehr gering. Ich weiß nicht, woher Sie Ihre Informationen haben, gerne bin ich bereit, Ihren Wissensstand zu aktualisieren und Ihnen die Ergebnisse und Beschlüsse der Delegiertenversammlungen nahe zu bringen.                            Gerne können Sie mich kontaktieren, im Impressum finden Sie meine Telefonnummer.                                                                                                                                                                    Ich freue mich auf Ihren Anruf. Viele Grüße Gerhard Gneist

       

  • Anonymous

    Was die 5 % betrifft, hat der Finanzausschuss die Ansätze der Geschäftsjahre 2019-2021 zu Grunde gelegt und dann mit der Veränderung der Verbraucherpreise im selben Zeitraum abgeglichen. Die durch den Überfalls Russlands auf die Ukraine bedingten Preissteigerungen sind hier also noch nicht enthalten.

    Grafik

  • Anonymous

    Lieber Kollege Hessberger, sorry dann muss ich wohl entschuldigen. Wenn es also wirklich ohne vorheriges Votum durch die DV gelaufen ist, dann ist dies ein Skandal. Ich dachte nach der neuen Zusammensetzung des Vorstands der Berliner Zahnärztekammer würde endlich auch mehr Transparenz und Ehrlichkeit, zumindest in diese Körperschaft,einziehen. Deshalb war ich auch überzeugt, dass ich mit den Frauen auch die Richtigen gewählt habe. Sollte ich mich etwa verwählt haben? Lieber Herr Gneist, ich nehme gerne Ihr Angebot an und werde mich in den nächsten Tagen bei Ihnen melden. 

    • Anonymous

      Vielen Dank für die Rückmeldung. In einem Punkt kann ich Sie beruhigen: Die jahrelange Fehlentwicklung hat die Berliner Frauenliste nicht zu verantworten. Grüße, AH 

  • Anonymous

    Dass bei dieser Abstimmung mehr als sonst im Saal fehlten, kann durchaus als Zeichen gesehen werden. Ich persönlich habe kein Problem damit, solche Fehlentwicklungen auch öffentlich zu benennen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Dr. Andreas Hessberger

    Auch eine schöne Meinung. Ich habe den Saal rappelvoll gesehen.

    Die einzigen die oft gefehlt haben , waren die Kollegen von der IUZB

    J.Herbert

  • Anonymous

    Und 5 von 167 sind ja wohl eine Mehrheit …

    jh

    • Anonymous

      Dem Jürgen Herbert gefallen offensichtlich Ergebnisse wie zu DDR-Zeiten.

      Noch so berechtigte Kritik wird mit indoktrinierenden Unterstellungen – insbesondere vom Kollegen Herbert – in die Schmuddelecke gestellt und somit Druck auf alle Delegierte ausgeübt.

      Eine geheime Abstimmung, sollte denn jemand wagen diese zu beantragen, benötigt 1/3 der anwesenden Kollegen.

      Das in der BZÄK herschende System ist dahingehend extrem systememanent angelegt. 

      Im derzeitigen Zustand der BZÄK können sich die Spitzenfunktionäre der BZÄK trotz erheblicher Ergebnisdefizite sicher sein, dass sich daran so schnell nichts ändert.

      Leistung und Ergebnisse, zugunsten der insbesondere derzeit arg gebeutelten Kollegenschaft, spielt in dieser BZÄK nur eine untergeordnete Rolle – das wichtigste ist die eigene Beweihräucherung.

      Daher ist es diesen Kollegen noch nicht einmal annäherungsweise peinlich für wenig Leistung mehr Geld zu fordern und zu nehmen.

      Zusammengefasst: Verhältnisse ähnlich wie in der FIFA oder auch der katholischen Kirche.

      Berliner euer Ansatz aus der BZÄK auszutreten ist anerkennenswert und findet meine volle Unterstützung. Einen anderen Weg diesen Verein zu reformieren gibt es derzeit nicht.

      Das dorthin fließende Geld ist sicher an anderer Stelle besser angelegt als für eitle, insbesondere bezüglich der GOZ, ergebnislose Funktionäre.

       

  • Anonymous

    Als Vorsitzender der Bundesversammlung muss ich der von Ihnen in der Einleitung formulierten Behauptung, es seien nicht alle Neinstimmen gezählt worden, deutlich widersprechen.

    Meine beiden Stellvertreter und ich sowie der Justiziar haben oben vom Podium einen guten Überblick. Außerdem sind – wie in meiner Eröffnungsrede dargestellt – noch 6 Mitglieder der Verwaltung im Saal, die jeweils einen „Block“ zählen.

    Insofern waren es definitiv nur die protokollierten 5 Neinstimmen aus Berlin.

    Nach § 7 der Geschäftsordnung werden nur die Ja- und Neinstimmen gezählt. Solange mehr als die Hälfte der Delegierten im Saal sind, ist die Bundesversammlung beschlussfähig. Wenn einzelne Delegierte den Saal bei einer Abstimmung verlassen, haben diese sich faktisch „enthalten“. 

    Dr. Kai Voss
    Vorsitzender der Bundesversammlung der BZÄK

     

  • Anonymous

    Daher ist es diesen Kollegen noch nicht einmal annäherungsweise peinlich für wenig Leistung mehr Geld zu fordern und zu nehmen.

    Zusammengefasst: Verhältnisse ähnlich wie in der FIFA oder auch der katholischen Kirche.

    Berliner euer Ansatz aus der BZÄK auszutreten ist anerkennenswert und findet meine volle Unterstützung. Einen anderen Weg diesen Verein zu reformieren gibt es derzeit nicht.

    Das dorthin fließende Geld ist sicher an anderer Stelle besser angelegt als für eitle, insbesondere bezüglich der GOZ, ergebnislose Funktionäre.

    Oh Gott oh Gott, FIFA DDR Und katholische Kirche, haben sie noch wen vergessen ? z.B. Nordkorea ?? danke Herr Hessberger !

    wie gesagt dann könnten die Berliner Ärzte auch aus der BÄK austreten, wg GOÄ

    Aber bleibt mal schon schön in Eurer Blase

    Und beleidigen sie nicht die Delegieren die so abgestimmt haben !!

     

    JH

     

    • Anonymous

      Sehr geehrter Herr Kollege,

      ich unterzeichne meine Beiträge. Also bitte keine Unterstellungen. Danke.

      Mit besten Grüßen, AH

      • Anonymous

        Sind Sie sicher ?????

         

        JH

      • Anonymous

        Die Syntax ist so , na ja, ähnlich..

         

        JH 

      • Anonymous

        Lieber Kollege Herbert, da kann sich die Brandenburger Zahnärzteschaft glücklich schätzen ein Universalgenie, ein genius universalis, als Kammerpräsidenten zu haben! Nun sind Sie auch noch Syntax-Experte. Ich bin schwer beeindruckt. Herzliche Grüße Gerhard Gneist