{"id":44602,"date":"2024-02-28T11:33:27","date_gmt":"2024-02-28T10:33:27","guid":{"rendered":"https:\/\/iuzb.de\/?p=44602"},"modified":"2024-02-28T12:05:06","modified_gmt":"2024-02-28T11:05:06","slug":"kzbv-draengt-lauterbach-mit-offenem-brief-zum-handeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=44602","title":{"rendered":"KZBV dr\u00e4ngt Lauterbach mit offenem Brief zum Handeln"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der massiven Versorgungsprobleme hat die Kassenzahn\u00e4rztliche Bundesvereinigung (KZBV) in einem offenen Brief Bundesgesundheitsminister Lauterbach dazu aufgefordert, die gegenw\u00e4rtige Krise in der zahn\u00e4rztlichen Versorgung endlich zu stoppen. Die Folgen f\u00fcr die Gesundheit der Patientinnen und Patienten seien ansonsten \u00e4u\u00dferst ernst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierzu erkl\u00e4rt Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBereits jetzt ist der Schaden durch das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz f\u00fcr unsere Patientinnen und Patienten voll sichtbar. Die aktuellen Rahmenbedingungen sorgen insbesondere daf\u00fcr, dass die notwendigen Mittel zur Finanzierung der erst im Juli 2021 eingef\u00fchrten neuen, pr\u00e4ventionsorientierten Parodontitistherapie nicht mehr ausreichend zur Verf\u00fcgung stehen. Die Auswirkungen sehen wir anhand des dramatischen Einbruchs bei den Neubehandlungen dieser Volkskrankheit, die unter anderem in direkter Wechselwirkungen mit Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus steht. Hier wird nicht nur die Zahn- und Mundgesundheit der Menschen absolut leichtfertig aufs Spiel gesetzt, sondern auch die Allgemeingesundheit. Herr Minister, stellen Sie sich jetzt Ihrer Verantwortung f\u00fcr die zahnmedizinische Versorgung und handeln Sie! Ihnen, aber erst recht den Patientinnen und Patienten, l\u00e4uft die Zeit davon.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der offene Brief der KZBV kann auf der Website der KZBV unter<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.kzbv.de\/par-evaluation-auswirkungen-des-gkv-finstg.1789.de.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kzbv.de\/par-evaluationsbericht<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">abgerufen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: KZBV, <a href=\"https:\/\/www.kzbv.de\/pressemitteilung-vom-27-2-2024.1850.de.html#\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung vom 27.02.2024<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kzbv.de\/offener-brief-bm-lauterbach-krise-zahnarztliche.download.75d484cd9e1bb6748a1951b8fd42bb31.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der Offene Brief:<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>KZBV &#8211; Der Vorstand<br \/>\n26. Februar 2024<\/p>\n<p>An<br \/>\nBundesminister f\u00fcr Gesundheit<br \/>\nHerrn Prof. Dr. Karl Lauterbach,<br \/>\nMdB Mauerstra\u00dfe 29<br \/>\n10117 Berlin<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Offener Brief<br \/>\n<strong>Keine Gesundheit ohne Mundgesundheit: Versorgungsprobleme nicht l\u00e4nger ignorieren, sondern Krise in der zahn\u00e4rztlichen Versorgung stoppen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrter Herr Bundesminister,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit gro\u00dfer Sorge um die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten wenden wir uns heute an Sie. Die optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten steht f\u00fcr uns tagt\u00e4glich im Vordergrund. Doch die mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz (GKV-FinStG) zum 1. Januar 2023 eingef\u00fchrte strikte Budgetierung hat die zahnmedizinische Versorgungssituation massiv erschwert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei ist die zahnmedizinische Versorgung in einer schwierigen Situation und mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Die Probleme liegen auf der Hand: Aufgrund des Fachkr\u00e4ftemangels wird es f\u00fcr die Praxen immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden, sowie eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe Versorgung fl\u00e4chendeckend sicherzustellen. Hinzu kommt, dass die auswuchernde B\u00fcrokratie den Kolleginnen und Kollegen immer mehr ihrer kostbaren Zeit raubt, die stattdessen den Patientinnen und Patienten zu Gute kommen sollte. Obendrein stellt sich die unausgereifte Digitalisierungsgesetzgebung derzeit weniger als Unterst\u00fctzung, sondern eher als ein Hemmnis im Praxisalltag dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die strikte Budgetierung hat diese Situation nochmals deutlich versch\u00e4rft. Denn die aktuellen Rahmenbedingungen sorgen insbesondere daf\u00fcr, dass die notwendigen Mittel zur Finanzierung der erst im Juli 2021 eingef\u00fchrten neuen, pr\u00e4ventionsorientierten Parodontitistherapie nicht mehr ausreichend zur Verf\u00fcgung stehen. Dies hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Parodontitisversorgung zur Folge. Die unmittelbaren Leidtragenden dieser kurzsichtigen und fehlgeleiteten Gesundheitspolitik sind die Patientinnen und Patienten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn anhand von Versorgungsdaten haben wir eindeutig belegt, dass die strikte Budgetierung einen bundesweit dramatischen Einbruch bei den Neubehandlungen der Volkskrankheit Parodontitis verursacht hat. Anders als von Ihnen \u00f6ffentlich dargestellt, kommt dies de facto Leistungsk\u00fcrzungen f\u00fcr die Patientinnen und Patienten gleich. Das war bereits das Kernergebnis des Evaluationsberichtes zu den Auswirkungen des GKV-FinStG auf die Parodontitisversorgung, den wir gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Parodontologie (DG PARO) Ende September 2023 ver\u00f6ffentlicht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch aktuelle Abrechnungsdaten zeigen, dass sich der Einbruch bei den Neubehandlungsf\u00e4llen nicht nur fortsetzt, sondern der Negativtrend sich sogar weiter verst\u00e4rkt. W\u00e4hrend vor Einf\u00fchrung der strikten Budgetierung in 2022 noch durchschnittlich etwa 120.000 Parodontitisneubehandlungen pro Monat durchgef\u00fchrt wurden, waren es im Dezember 2023 nur noch ca. 77.500. Wir gehen davon aus, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen auch in den kommenden Wochen und Monaten die monatlichen Neubehandlungsf\u00e4lle weiter absinken werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Bundesminister, \u00fcber diese gef\u00e4hrliche Entwicklung haben wir Sie laufend informiert. Unsere Warnungen haben Sie jedoch stets ignoriert, unsere Gespr\u00e4chsangebote hierzu haben Sie abgelehnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn keine korrigierenden Ma\u00dfnahmen von Ihnen, Herr Bundesminister und den Ampelfraktionen ergriffen werden, ist davon auszugehen, dass das Niveau der Neubehandlungen soweit absinken wird, dass es nur noch halb so hoch ist wie vor Einf\u00fchrung der Budgetierung. Damit droht das Versorgungsziel, die Parodontitis \u2013 neben Karies die zweite gro\u00dfe Volkskrankheit in der zahnmedizinischen Versorgung \u2013 wirkungsvoll bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen, vollst\u00e4ndig zu scheitern. In Anbetracht der hohen Krankheitslast ist dies f\u00fcr die Mund- und Allgemeingesundheit der Patientinnen und Patienten fatal. Es reicht nicht allein, sich die St\u00e4rkung der Pr\u00e4vention im Koalitionsvertrag als Ziel zu setzen. Entscheidend ist, dass diese Zielsetzung auch Eingang in das politische Handeln und in die Versorgungsrealit\u00e4t findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Bundesminister, nehmen sie den Stellenwert der Pr\u00e4vention f\u00fcr die Gesundheit ernst, verschlie\u00dfen Sie nicht l\u00e4nger die Augen vor den Problemen in der Versorgung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Parodontitis begrenzt sich nicht allein auf die Mundh\u00f6hle, sondern sie ist eine komplexe Entz\u00fcndungserkrankung des Menschen. Jeder zweite Erwachsene leidet an dieser Volkskrankheit. Unbehandelt ist sie die h\u00e4ufigste Ursache f\u00fcr vermeidbaren Zahnverlust. Parodontitis steht in direkter Wechselwirkungen mit Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus. Insofern gilt: \u201eEs gibt keine Gesundheit ohne Mundgesundheit\u201c. Zu diesem Schluss kommt das im Februar 2024 im Economist Impact ver\u00f6ffentlichte Whitepaper <em>\u201eTime to put your money where your mouth is\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Bundesminister, nehmen Sie die Folgen f\u00fcr die Gesundheit der Patientinnen und Patienten ernst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben diesen individuellen Negativfolgen f\u00fcr die Mund- und Allgemeingesundheit w\u00e4re ein Scheitern der neuen, pr\u00e4ventionsorientierten Parodontitistherapie zugleich auch mittel- und langfristig f\u00fcr das GKV-System mit erheblich h\u00f6heren Kosten verbunden. Allein im zahn\u00e4rztlichen Bereich summieren sich diese Folgekosten auf rund 200 Mio. Euro j\u00e4hrlich.<br \/>\nHinzu kommen indirekte Krankheitskosten durch Parodontitis, die eine international vergleichende Studie f\u00fcr Deutschland mit rund 34,79 Mrd. Euro angibt. Eine konsequente Pr\u00e4vention und Therapie von Parodontitis w\u00fcrde diese Kosten zumindest reduzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Bundesminister, stellen Sie sich den Problemen und Realit\u00e4ten in der zahnmedizinischen Versorgung, anstatt Sie unter den Tisch fallen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sehen unter den aktuellen Rahmenbedingungen der strikten Budgetierung derzeit keinen Weg, wie wir die Parodontitisversorgung der Patientinnen und Patienten auf einem der hohen Krankheitslast angemessenen Niveau aufrechterhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Bundesminister, erkennen Sie endlich: Es gibt keine Gesundheit ohne Mundgesundheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir appellieren daher ausdr\u00fccklich an Ihre Verantwortung f\u00fcr die Aufrechterhaltung der zahnmedizinischen Versorgung. Stellen Sie sich den Problemen bei der Parodontitisversorgung. Verweigern Sie nicht l\u00e4nger den Dialog. Unsere L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge liegen Ihnen vor. Wir fordern Sie auf, m\u00f6gliche L\u00f6sungsans\u00e4tze konstruktiv mit uns zu diskutieren und unsere Vorschl\u00e4ge aufzugreifen. Nur so k\u00f6nnen Sie noch verhindern, dass sich diese Versorgungskrise weiter versch\u00e4rft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>ZA Martin Hendges<br \/>\nVorsitzender des Vorstandes<\/p>\n<p>Dr. Ute Maier<br \/>\nStellv. Vorsitzende des Vorstandes<\/p>\n<p>Dr. Karl-Georg Pochhammer<br \/>\nStellv. Vorsitzender<br \/>\ndes Vorstandes<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der massiven Versorgungsprobleme hat die Kassenzahn\u00e4rztliche Bundesvereinigung (KZBV) in einem offenen Brief Bundesgesundheitsminister Lauterbach dazu aufgefordert, die gegenw\u00e4rtige Krise in der zahn\u00e4rztlichen Versorgung endlich zu stoppen. 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