{"id":35996,"date":"2021-11-10T17:20:40","date_gmt":"2021-11-10T16:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/iuzb.de\/?p=35996"},"modified":"2021-11-10T17:21:12","modified_gmt":"2021-11-10T16:21:12","slug":"bsg-keine-kuenstliche-befruchtung-bei-gleichgeschlechtlichen-paaren-zulasten-der-krankenkasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=35996","title":{"rendered":"BSG: Keine k\u00fcnstliche Befruchtung bei gleichgeschlechtlichen Paaren zulasten der Krankenkasse"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gleichgeschlechtliche Paare haben keinen Anspruch gegen die gesetzlichen Krankenkassen auf eine Kinderwunschbehandlung. Dies hat der 1. Senat des Bundessozialgerichts am 10. November 2021 entschieden (Aktenzeichen: <a href=\"https:\/\/www.bsg.bund.de\/SharedDocs\/Verhandlungen\/DE\/2021\/2021_11_10_B_01_KR_07_21_R.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B 1 KR 7\/21 R<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Medizinische Ma\u00dfnahmen zur Herbeif\u00fchrung einer Schwangerschaft sind nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_V\/27a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 27a Absatz 1 Nummer 4 SGB V<\/a> nur dann der Krankenbehandlung und damit den Leistungen der Krankenversicherung zuzurechnen, wenn ausschlie\u00dflich Ei- und Samenzellen der Ehegatten verwendet werden (sogenannte homologe Insemination). Der Gesetzgeber ist von Verfassungs wegen nicht gezwungen, auch eine Kinderwunschbehandlung unter Verwendung von Spendersamen (sogenannte heterologe Insemination) vorzusehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gew\u00e4hrung von Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung unterliegt einer weitreichenden Einsch\u00e4tzungspr\u00e4rogative des Gesetzgebers. Der Versicherungsfall des \u00a7 27a SGB V geht von einer grunds\u00e4tzlich bestehenden Zeugungsf\u00e4higkeit des Ehepaars aus, die durch die Leistungen nach \u00a7 27a SGB V unterst\u00fctzt werden soll. Zwar erkennt die Vorschrift als soziale Komponente die Erf\u00fcllung des Kinderwunsches innerhalb einer bestehenden Ehe als Behandlungsziel an. Sie kn\u00fcpft dar\u00fcber hinaus jedoch den Leistungsanspruch an das krankheits\u00e4hnliche Unverm\u00f6gen &#8211; bei eingeschr\u00e4nkter, aber nicht aufgehobener Zeugungsf\u00e4higkeit &#8211; Kinder auf nat\u00fcrlichem Weg in der Ehe zu zeugen. Die Entscheidung, diese individuelle krankheits\u00e4hnliche Komponente durch die F\u00f6rderung der k\u00fcnstlichen Befruchtung nur mit eigenen Ei- und Samenzellen der Eheleute nicht vor der sozialen zur\u00fccktreten zu lassen, ist vor dem Hintergrund der im Wesentlichen auf die Krankenbehandlung ausgerichteten gesetzlichen Krankenversicherung gerechtfertigt. Die Kl\u00e4gerin begehrt dagegen statt der blo\u00dfen \u00dcberwindung einer krankheits\u00e4hnlichen Situation die Kompensation einer &#8211; in dieser Eheform &#8211; nicht bestehenden Zeugungsf\u00e4higkeit mittels heterologer Insemination.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu einer anderen Bewertung zwingt auch nicht die Einf\u00fchrung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Der Gesetzgeber wollte hiermit zwar die gleichgeschlechtliche Ehe an die gemischtgeschlechtliche Ehe angleichen. Aus diesem Anliegen folgt aber nicht die Pflicht, die zeugungsbiologischen Grenzen einer solchen Ehe mit Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung auszugleichen.<\/p>\n<p>Quelle: Bundesssozialgericht, <a href=\"https:\/\/www.bsg.bund.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2021\/2021_29.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung vom 10.11.2021<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleichgeschlechtliche Paare haben keinen Anspruch gegen die gesetzlichen Krankenkassen auf eine Kinderwunschbehandlung. Dies hat der 1. Senat des Bundessozialgerichts am 10. November 2021 entschieden (Aktenzeichen: B 1 KR 7\/21 R). 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