{"id":35576,"date":"2021-09-29T08:23:04","date_gmt":"2021-09-29T06:23:04","guid":{"rendered":"http:\/\/iuzb.de\/?p=35576"},"modified":"2021-10-04T17:34:38","modified_gmt":"2021-10-04T15:34:38","slug":"bag-urteil-staerkt-arbeitgeber-krankheit-muss-im-zweifel-nachgewiesen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=35576","title":{"rendered":"BAG-Urteil st\u00e4rkt Arbeitgeber: Krankheit muss im Zweifel nachgewiesen werden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>Ersch\u00fctterung des Beweiswerts einer Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcndigt ein Arbeitnehmer sein Arbeitsverh\u00e4ltnis und wird er am Tag der K\u00fcndigung arbeitsunf\u00e4hig krankgeschrieben, kann dies den Beweiswert der Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung insbesondere dann ersch\u00fcttern, wenn die bescheinigte Arbeitsunf\u00e4higkeit passgenau die Dauer der K\u00fcndigungsfrist umfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kl\u00e4gerin war bei der Beklagten seit Ende August 2018 als kaufm\u00e4nnische Angestellte besch\u00e4ftigt. Am 8. Februar 2019 k\u00fcndigte die Kl\u00e4gerin das Arbeitsverh\u00e4ltnis zum 22. Februar 2019 und legte der Beklagten eine auf den 8. Februar 2019 datierte, als Erstbescheinigung gekennzeichnete Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung vor. Die Beklagte verweigerte die Entgeltfortzahlung. Der Beweiswert der Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung sei ersch\u00fcttert, weil diese genau die Restlaufzeit des Arbeitsverh\u00e4ltnisses nach der Eigenk\u00fcndigung der Kl\u00e4gerin abdecke. Die Kl\u00e4gerin hat demgegen\u00fcber geltend gemacht, sie sei ordnungsgem\u00e4\u00df krankgeschrieben gewesen und habe vor einem Burn-Out gestanden. Die Vorinstanzen haben der auf Entgeltfortzahlung f\u00fcr die Zeit vom 8. Februar bis zum 22. Februar 2019 gerichteten Zahlungsklage stattgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vom Senat nachtr\u00e4glich zugelassene Revision der Beklagten hat Erfolg. Die Kl\u00e4gerin hat die von ihr behauptete Arbeitsunf\u00e4higkeit im Streitzeitraum zun\u00e4chst mit einer Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung nachgewiesen. Diese ist das gesetzlich vorgesehene Beweismittel. Dessen Beweiswert kann der Arbeitgeber ersch\u00fcttern, wenn er tats\u00e4chliche Umst\u00e4nde darlegt und ggf. beweist, die Anlass zu ernsthaften Zweifeln an der Arbeitsunf\u00e4higkeit geben. Gelingt das dem Arbeitgeber, muss der Arbeitnehmer substantiiert darlegen und beweisen, dass er arbeitsunf\u00e4hig war. Der Beweis kann insbesondere <span style=\"color: #ff0000;\">durch Vernehmung des behandelnden Arztes nach entsprechender Befreiung von der Schweigepflicht<\/span> erfolgen. Nach diesen Grunds\u00e4tzen hat die Beklagte den Beweiswert der Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung ersch\u00fcttert. Die Koinzidenz zwischen der K\u00fcndigung vom 8. Februar zum 22. Februar 2019 und der am 8. Februar bis zum 22. Februar 2019 bescheinigten Arbeitsunf\u00e4higkeit begr\u00fcndet einen ernsthaften Zweifel an der bescheinigten Arbeitsunf\u00e4higkeit. Die Kl\u00e4gerin ist im Prozess ihrer Darlegungslast zum Bestehen einer Arbeitsunf\u00e4higkeit \u2013 auch nach Hinweis des Senats \u2013 nicht hinreichend konkret nachgekommen. Die Klage war daher abzuweisen.<\/p>\n<p>Quelle: Bundesarbeitsgericht, <a href=\"https:\/\/www.bundesarbeitsgericht.de\/presse\/erschuetterung-des-beweiswerts-einer-arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung<\/a> vom 08.09.2021 zum Urteil vom 8. September 2021 \u2013 5 AZR 149\/21 \u2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ersch\u00fctterung des Beweiswerts einer Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung K\u00fcndigt ein Arbeitnehmer sein Arbeitsverh\u00e4ltnis und wird er am Tag der K\u00fcndigung arbeitsunf\u00e4hig krankgeschrieben, kann dies den Beweiswert der Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung insbesondere dann ersch\u00fcttern, wenn die [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"iawp_total_views":1,"footnotes":""},"categories":[163,68],"tags":[],"class_list":["post-35576","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bag","category-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35576","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35576"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35576\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35578,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35576\/revisions\/35578"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35576"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35576"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35576"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}