{"id":35181,"date":"2021-08-16T12:43:10","date_gmt":"2021-08-16T10:43:10","guid":{"rendered":"http:\/\/iuzb.de\/?p=35181"},"modified":"2021-08-16T12:43:49","modified_gmt":"2021-08-16T10:43:49","slug":"vivantes-tv-entlastung-und-tvoed-fuer-alle-fuer-vivantes-nicht-tragbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=35181","title":{"rendered":"Vivantes: TV-Entlastung und \u201eTV\u00f6D f\u00fcr alle\u201c f\u00fcr Vivantes nicht tragbar"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Tarifforderungen gef\u00e4hrden Zukunft der Versorgung<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Die Berliner Krankenhausbewegung und ver.di fordern Vivantes zu Tarifverhandlungen \u00fcber einen \u201eTarifvertrag Entlastung\u201c und \u201eTV\u00f6D f\u00fcr alle\u201c auf. Diese Forderungen finden in Berlin z.T. gro\u00dfe Unterst\u00fctzung. Eine Umsetzung der Forderungen h\u00e4tte f\u00fcr Vivantes &#8211; vor allem aber f\u00fcr das Land Berlin &#8211; gravierende Konsequenzen: Angesichts des nicht nur bei Vivantes, sondern bundesweit fehlenden Fachpersonals, w\u00e4ren die Vorgaben des TV-Entlastung nur umsetzbar, indem weniger Patient*innen behandelt werden. Diese Einschr\u00e4nkung der Versorgungskapazit\u00e4ten h\u00e4tte bei Vivantes einen Abbau von 360 \u2013 750 Betten zur Folge. Im Ergebnis w\u00fcrde daraus auch ein Abbau von 870 \u2013 1.300 Stellen und ein zus\u00e4tzliches Defizit in H\u00f6he von 25 \u2013 45 Mio. Euro resultieren. Mit einer Umsetzung des \u201eTV\u00f6D f\u00fcr alle\u201c auch in den Vivantes-Tochtergesellschaften k\u00e4men weitere Kosten in H\u00f6he von 35 Mio. Euro pro Jahr dazu. In der Summe w\u00fcrde Vivantes dadurch dauerhaft zu einem Subventionsbetrieb, dessen enorme Defizite vom Land Berlin zu tragen w\u00e4ren.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vivantes hat im Verhandlungsverlauf mit ver.di stets deutlich gemacht, dass sich das Unternehmen f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00dfe und marktgerechte Arbeits- und Verg\u00fctungsbedingungen der Besch\u00e4ftigten in den Vivantes Tochterunternehmen einsetzt. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind allerdings schwierig. Vivantes hat das vergangene Jahr (2020) bereits mit einem negativen Ergebnis (\u2013 30,5 Mio. Euro) abgeschlossen. Einer der Gr\u00fcnde besteht darin, dass die Personalkosten st\u00e4rker gestiegen sind als die Leistungen und Einnahmen in den Kliniken. Die Personalkostenquote bei Vivantes ist seit 2016 von rund 66 Prozent auf aktuell 78 Prozent gestiegen. Das ist auch im Branchenvergleich sehr hoch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Johannes Danckert, kommissarischer Vorsitzender der Vivantes Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung: \u201eAls kommunaler Klinikkonzern haben wir einen Versorgungsauftrag f\u00fcr das Land Berlin zu erf\u00fcllen. Und als Arbeitgeber setzen wir uns f\u00fcr gute Arbeitsbedingungen unserer Besch\u00e4ftigten ein. Die jetzt im Raum stehenden Forderungen sind aber f\u00fcr unser Unternehmen wirtschaftlich nicht tragbar. Mit der Umsetzung der geforderten Tarifvertr\u00e4ge k\u00e4men zus\u00e4tzliche Belastungen in H\u00f6he von 35 Mio. Euro plus 25 \u2013 45 Mio. Euro pro Jahr auf uns zu. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen k\u00f6nnen wir diese nicht eigenst\u00e4ndig erwirtschaften, die Defizite m\u00fcsste dann das Land Berlin tragen. Ohnehin gilt: Um die Versorgung nachhaltig sicher zu stellen, ben\u00f6tigen wir als kommunales Krankenhausunternehmen eine angemessene finanzielle Ausstattung. Das betrifft sowohl das allgemeine Verg\u00fctungssystem f\u00fcr Krankenh\u00e4user als auch die Investitionsmittel durch das Land Berlin.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Vivantes w\u00fcrde sofort mehrere hundert Pflegekr\u00e4fte einstellen, wenn sie verf\u00fcgbar w\u00e4ren<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Folgen eines TV-Entlastung abzusch\u00e4tzen, hat Vivantes die Inhalte der Regelungen zur Entlastung f\u00fcr das Universit\u00e4tsklinikums Schleswig-Holstein analysiert. Auf Vivantes \u00fcbertragen hie\u00dfe das: 650 examinierte Pflegekr\u00e4fte m\u00fcssten eingestellt werden &#8211; bei vertragskonformer Anwendung der dortigen Vereinbarung. Vivantes verf\u00fcgt l\u00e4ngst \u00fcber diese Stellen. Um sie zu besetzen, gibt es aber nicht gen\u00fcgend Fachkr\u00e4fte. Diese L\u00fccke ist faktisch weder durch Neueinstellungen noch durch Leasingkr\u00e4fte zu schlie\u00dfen. Die vorgeschriebene Personalbesetzung pro Patient*in k\u00f6nnte daher nur erreicht werden, indem die station\u00e4re Versorgung eingeschr\u00e4nkt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein TV-Entlastung ist nur mit weniger Behandlungen und mehr Leasing zu hohen Kosten umsetzbar<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie stark die Versorgung reduziert werden m\u00fcsste und welche Mehrkosten durch einen TV-Entlastung entstehen, richtet sich letztlich danach, wie viele Leasingkr\u00e4fte konkret verf\u00fcgbar sind und wie viele Betten zus\u00e4tzlich zur Erzielung der vorgeschriebenen Entlastung abgebaut werden m\u00fcssten. Die bei Vivantes bisher errechneten Szenarien zeigen momentan einen notwendigen Abbau von 360 bis zu 750 Betten. Daraus ergibt sich ein reduzierter Personalbedarf von 870 bis zu 1.300 Stellen im Bereich von \u00c4rzt*innen, Funktionsdiensten, Verwaltung und Service. Zudem entstehen daraus weitere Jahresfehlbetr\u00e4ge von 24 bis 45 Mio. Euro pro Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dorothea Schmidt, Vivantes Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Personal: \u201eGute Gesundheitsversorgung ist nur mit qualifizierten und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern m\u00f6glich. Wir sind jedoch der Auffassung, dass zeitgem\u00e4\u00dfe Arbeits- und Verg\u00fctungsbedingungen auch den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und inhaltlichen M\u00f6glichkeiten unseres Unternehmens Rechnung tragen m\u00fcssen. Vivantes hat bereits viel getan, um die internen Arbeitsbedingungen &#8211; insbesondere in der Pflege &#8211; zu verbessern. Die weitere Entlastung von Pflegekr\u00e4ften muss mit anderen Mitteln erreicht werden als einem TV-Entlastung. Der Verweis von ver.di auf bestehende Entlastungvertr\u00e4ge mit Universit\u00e4tskliniken verkennt, dass f\u00fcr diese andere rechtliche und finanzielle Pr\u00e4missen gelten. Wenn auf der einen Seite mit Entlastung geworben wird, darf aber auch die \u201eKehrseite der Medaille\u201c nicht unerw\u00e4hnt bleiben \u2013 und diese bedeutet Leistungseinschr\u00e4nkungen sowie Personalabbau bei anderen Berufsgruppen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Arbeitsbelastung von Pflegekr\u00e4ften bei Vivantes konnte deutlich reduziert werden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vivantes hat in den vergangenen Jahren konzernweit kontinuierlich Personal aufgebaut: 2013 besch\u00e4ftigte das kommunale Klinikunternehmen knapp 15.000 Mitarbeitende, 2017 waren es mehr als 16.000 und 2020 bereits knapp 18.000. Insbesondere f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte besteht kein Einstellungslimit, um Pflegefachkr\u00e4fte wird intensiv geworben. Die Arbeitsbelastung von Pflegekr\u00e4ften bei Vivantes konnte dadurch deutlich reduziert werden. So hat sich die Zahl der belegten Betten pro Vollzeitkraft in den vergangenen Jahren ebenso reduziert wie die j\u00e4hrliche Fallzahl pro Vollkraft im Pflegedienst. 2011 betreute eine Vollkraft im Pflegedienst bei Vivantes im Schnitt 6,6 belegte Betten, 2015 waren es 6,2 und 2019 noch 5,4. Im Jahr 2011 lag die j\u00e4hrliche Fallzahl je Vollkraft in der Pflege bei 63,8 Patienten*innen, 2015 waren es 63,2 und 2019 noch 58,2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vivantes setzt auf die Ausbildung von Fachkr\u00e4ften<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vivantes arbeitet bereits heute auf allen Ebenen daran, die Arbeitsbedingungen seiner Besch\u00e4ftigten, insbesondere in der Pflege, kontinuierlich zu verbessern. Dazu investiert das Unternehmen u.a. massiv in die Ausbildung k\u00fcnftiger Fachkr\u00e4fte. Mit rund 1.700 Ausbildungspl\u00e4tzen in sieben Gesundheitsberufen (Stand Juli 2021), davon rund 1.000 im Pflegebereich, ist Vivantes bereits jetzt einer der gr\u00f6\u00dften Ausbildungsbetriebe im Gesundheitswesen. In den vergangenen Jahren hat Vivantes die Zahl der Pflege-Ausbildungspl\u00e4tze bereits um mehrere hundert Pl\u00e4tze gesteigert: Im Januar 2015 waren noch 896 Auszubildende bei Vivantes besch\u00e4ftigt, darunter 715 in Pflegeberufen.\u00a0 Bis 2023 wird Vivantes alleine in der Gesundheits- und Krankenpflege die Zahl seiner Ausbildungspl\u00e4tze weiterauf rd. 1.400 erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Quelle: Vivantes, <a href=\"https:\/\/www.vivantes.de\/unternehmen\/presse\/pressemitteilungen\/presse-detail\/news\/tv-entlastung-und-tvoed-fuer-alle-fuer-vivantes-nicht-tragbar\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung vom 16.08.2021<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tarifforderungen gef\u00e4hrden Zukunft der Versorgung Die Berliner Krankenhausbewegung und ver.di fordern Vivantes zu Tarifverhandlungen \u00fcber einen \u201eTarifvertrag Entlastung\u201c und \u201eTV\u00f6D f\u00fcr alle\u201c auf. 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