{"id":34373,"date":"2021-05-31T14:35:30","date_gmt":"2021-05-31T12:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/iuzb.de\/?p=34373"},"modified":"2021-05-31T16:54:38","modified_gmt":"2021-05-31T14:54:38","slug":"bverwg-bundesrechnungshof-darf-berufsgenossenschaften-pruefen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=34373","title":{"rendered":"BVerwG: Bundesrechnungshof darf Berufsgenossenschaften pr\u00fcfen"},"content":{"rendered":"<div class=\"tzData\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Berufsgenossenschaften unterliegen als bundesunmittelbare K\u00f6rperschaften des \u00f6ffentlichen Rechts und Unfallversicherungstr\u00e4ger mit ihrer Haushalts- und Wirtschaftsf\u00fchrung der Pr\u00fcfung durch den Bundesrechnungshof. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 12. Mai 2021 entschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kl\u00e4gerin ist eine bundesunmittelbare K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts, eine der gr\u00f6\u00dften Berufsgenossenschaften in Deutschland und als solche eine Tr\u00e4gerin der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie wendet sich gegen eine auf die Durchf\u00fchrung sozialmedizinischer Begutachtungen bezogene Pr\u00fcfungsanordnung des Bundesrechnungshofs vom 19. M\u00e4rz 2018.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"tzData\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bho\/__111.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 111 Abs. 1 Satz 1 der Bundeshaushaltsordnung (BHO)<\/a> pr\u00fcft der Bundesrechnungshof die Haushalts- und Wirtschaftsf\u00fchrung der bundesunmittelbaren juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts. Diese Vorschrift ist allerdings gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bho\/__112.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 112 Abs. 1 Satz 1 BHO<\/a> auf die bundesunmittelbaren Tr\u00e4ger der Sozialversicherung &#8211; unter anderem diejenigen der gesetzlichen Unfallversicherung &#8211; nur dann anzuwenden, wenn diese auf Grund eines Bundesgesetzes vom Bund Zusch\u00fcsse erhalten oder eine Garantieverpflichtung des Bundes gesetzlich begr\u00fcndet ist. Die Kl\u00e4gerin erh\u00e4lt keine staatlichen Zusch\u00fcsse. Der Bundesrechnungshof sah jedoch eine gesetzlich begr\u00fcndete Garantieverpflichtung des Bundes in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_VII\/120.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 120 des Siebten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VII)<\/a>, wonach mit der Aufl\u00f6sung eines bundesunmittelbaren Unfallversicherungstr\u00e4gers dessen Rechte und Pflichten auf den Bund \u00fcbergehen, soweit durch Rechtsvorschriften des Bundes nicht etwas Anderes bestimmt worden ist.<\/p>\n<p>Das Verwaltungsgericht K\u00f6ln hat die Anfechtungsklage gegen die Pr\u00fcfungsanordnung abgewiesen. Das Oberverwaltungsgericht M\u00fcnster hat der Berufung der Kl\u00e4gerin stattgegeben und die Anordnung aufgehoben. Es hat angenommen, eine gesetzlich begr\u00fcndete Garantieverpflichtung im Sinne des <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bho\/__112.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 112 Abs. 1 Satz 1 BHO<\/a> sei nur eine nicht ausschlie\u00dflich vom Willen des Bundesgesetzgebers abh\u00e4ngige, unter bestimmten Voraussetzungen &#8211; dem Garantiefall &#8211; rechtlich bindend eintretende Leistungsverpflichtung. Diese Voraussetzungen erf\u00fclle <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_VII\/120.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 120 SGB VII<\/a> nicht, weil der Eintritt des Garantiefalls &#8211; die Aufl\u00f6sung eines bundesunmittelbaren Unfallversicherungstr\u00e4gers &#8211; ausschlie\u00dflich vom Willen des Bundesgesetzgebers abh\u00e4nge und dieser es zugleich in der Hand habe, von den in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_VII\/120.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 120 SGB VII<\/a> vorgesehenen Rechtsfolgen abzuweichen. Die Vorschrift begr\u00fcnde keine rechtlich bindende Einstandspflicht, sondern verleihe allenfalls deklaratorisch der ohnehin bestehenden Verantwortung des Bundes f\u00fcr die bundesunmittelbaren Unfallversicherungstr\u00e4ger Ausdruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Revision der Bundesrepublik Deutschland hat das Bundesverwaltungsgericht das erstinstanzliche Urteil wiederhergestellt. <strong>Nach der gesetzlichen Systematik ist die l\u00fcckenlose, kontrollfreie R\u00e4ume vermeidende Pr\u00fcfung der Haushalts- und Wirtschaftsf\u00fchrung der bundesunmittelbaren juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts die Regel<\/strong> und die Exemtion von dieser Pr\u00fcfung nach <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bho\/__112.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 112 Abs. 1 Satz 1 BHO<\/a> die eng auszulegende Ausnahme. <strong>Nach dessen Zweck sollen die beg\u00fcnstigten Sozialversicherungstr\u00e4ger der Kontrolle durch den Bundesrechnungshof jedenfalls dann unterworfen sein, wenn aus ihrer T\u00e4tigkeit ein Risiko f\u00fcr den Bundeshaushalt erwachsen kann.<\/strong> Danach ist eine gesetzlich begr\u00fcndete Garantieverpflichtung des Bundes im Sinne des <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bho\/__112.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 112 Abs. 1 Satz 1 BHO<\/a> anzunehmen, wenn &#8211; zum Zeitpunkt des Pr\u00fcfungsbegehrens des Bundesrechnungshofs &#8211; sich aufgrund eines Bundesgesetzes, sei es auch erst nach Erlass weiterer Akte, die M\u00f6glichkeit einer zuk\u00fcnftigen Belastung des Bundeshaushalts durch eine Verpflichtung des Bundes zum Eintritt in Zahlungspflichten ergibt, die zu Lasten eines Sozialversicherungstr\u00e4gers entstanden sind. Diese Voraussetzungen werden durch <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/SGB_VII\/120.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 120 SGB VII<\/a> erf\u00fcllt. Denn diese Norm ist unter Ber\u00fccksichtigung ihrer gesetzlichen Bezeichnung als Bundesgarantie, des Verst\u00e4ndnisses ihrer in das Kaiserreich zur\u00fcckreichenden historischen Vorg\u00e4ngerregelungen sowie ihres Zwecks im Kern als Auffangregelung f\u00fcr die \u00dcbernahme der finanziellen Lasten eines durch Gesetz aufgel\u00f6sten bundesunmittelbaren Unfallversicherungstr\u00e4gers zu verstehen. Sie kann im Fall der Aufl\u00f6sung eines solchen Tr\u00e4gers in einer Weise angewandt werden, die nicht in Konflikt mit Art. 87 Abs. 2 Satz 1 GG ger\u00e4t, der das F\u00fchren eines Sozialversicherungstr\u00e4gers in unmittelbarer Bundesverwaltung verbietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hiernach von einer Pr\u00fcfungsbefugnis des Bundesrechnungshofs getragene, von der Kl\u00e4gerin angegriffene Pr\u00fcfungsanordnung ist nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts auch im \u00dcbrigen in formell und materiell rechtm\u00e4\u00dfiger Weise erlassen worden. Sie verletzt insbesondere nicht den Schutz der Sozialdaten der bei der Kl\u00e4gerin Versicherten.<\/p>\n<p>Quelle: Bundesverwaltungsgericht, <a href=\"https:\/\/www.bverwg.de\/pm\/2021\/30\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung vom 14.05.2021<\/a><br \/>\nzum Urteil vom 12.05.2021 zum Aktenzeichen<strong> 6 C 12.19<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berufsgenossenschaften unterliegen als bundesunmittelbare K\u00f6rperschaften des \u00f6ffentlichen Rechts und Unfallversicherungstr\u00e4ger mit ihrer Haushalts- und Wirtschaftsf\u00fchrung der Pr\u00fcfung durch den Bundesrechnungshof. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 12. 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