{"id":25862,"date":"2019-01-26T21:03:29","date_gmt":"2019-01-26T20:03:29","guid":{"rendered":"http:\/\/iuzb.de\/?p=25862"},"modified":"2019-01-26T21:04:44","modified_gmt":"2019-01-26T20:04:44","slug":"betrieb-einer-gewebebank-kann-fuer-aerzte-nur-erlaubnisfrei-sein-wenn-sie-alle-wesentlichen-taetigkeiten-selbst-durchfuehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=25862","title":{"rendered":"Betrieb einer Gewebebank kann f\u00fcr \u00c4rzte nur erlaubnisfrei sein, wenn sie alle wesentlichen T\u00e4tigkeiten selbst durchf\u00fchren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Gewinnung und Bearbeitung von menschlichem Gewebe bedarf grunds\u00e4tzlich einer beh\u00f6rdlichen Erlaubnis. Die f\u00fcr \u00c4rzte geltende Ausnahmeregelung setzt voraus, dass der das Gewebe bei seinen Patienten anwendende Arzt alle anfallenden T\u00e4tigkeiten in der Hand beh\u00e4lt und nicht auf externe Stellen \u00fcbertr\u00e4gt. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute entschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kl\u00e4ger ist Chefarzt f\u00fcr Orthop\u00e4dische Chirurgie in einem Kreiskrankenhaus. Er leitete dort eine Knochenbank, in der bei Operationen anfallende Oberschenkelknochenk\u00f6pfe als Spendermaterial zur Verwendung an anderen Patienten aufbereitet und vorgehalten wurden. Teile der hierf\u00fcr notwendigen Labortests sowie die Keim\u00fcberpr\u00fcfung fanden in externen, hierf\u00fcr zugelassenen Einrichtungen statt. Nachdem die zust\u00e4ndige \u00dcberwachungsbeh\u00f6rde den Kl\u00e4ger darauf hingewiesen hatte, dass die Knochenbank ohne entsprechende Erlaubnis nur fortgef\u00fchrt werden d\u00fcrfe, wenn der verantwortliche Arzt alle T\u00e4tigkeiten selbst aus\u00fcbe, zeigte der Kl\u00e4ger den Betrieb einer von ihm pers\u00f6nlich verantworteten Knochenbank an. Der Beklagte untersagte den Betrieb der Knochenbank, weil die unmittelbare fachliche Verantwortung des Kl\u00e4gers durch die Weitergabe von T\u00e4tigkeiten an externe Labore nicht sichergestellt sei. Die hiergegen gerichtete Klage blieb im Berufungsverfahren erfolglos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Revision des Kl\u00e4gers hat das Bundesverwaltungsgericht zur\u00fcckgewiesen. Das in <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/amg_1976\/__20d.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7\u00a020d<\/a> des Arzneimittelgesetzes enthaltene \u00c4rzteprivileg ist vom Gesetzgeber bewusst eng gefasst worden. Es setzt voraus, dass der Arzt alle f\u00fcr die Anwendung des Gewebes bei seinen Patienten erforderlichen, an sich erlaubnispflichtigen T\u00e4tigkeiten fachlich verantwortet. Die Vergabe von solchen Laborleistungen an eine externe Stelle ist damit nicht vereinbar. Angesichts der spezifischen Besonderheiten und Risiken bei der Gewinnung und Bearbeitung von menschlichem Gewebe begegnet die gesetzgeberische Entscheidung f\u00fcr einen umfassenden Erlaubnisvorbehalt keinen verfassungsrechtlichen Bedenken. Gegen eine gro\u00dfz\u00fcgigere Handhabung der Ausnahmeregelung spricht auch das Recht der Europ\u00e4ischen Union, das im Anwendungsbereich der ma\u00dfgeblichen Richtlinie 2004\/23\/EG ein \u00c4rzteprivileg nicht vorsieht.<\/p>\n<p>Quelle: Bundesverwaltungsgericht, <a href=\"https:\/\/www.bverwg.de\/pm\/2019\/9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung<\/a> zum Urteil vom 24. Januar 2019 &#8211; BVerwG 3 C 5.17 &#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gewinnung und Bearbeitung von menschlichem Gewebe bedarf grunds\u00e4tzlich einer beh\u00f6rdlichen Erlaubnis. 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