{"id":20862,"date":"2017-05-23T18:01:22","date_gmt":"2017-05-23T16:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/iuzb.de\/?p=20862"},"modified":"2017-05-23T18:30:58","modified_gmt":"2017-05-23T16:30:58","slug":"lg-unklare-versicherungsbedingungen-gehen-bis-zur-grenze-der-treuwidrigkeit-zu-lasten-der-krankenversicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=20862","title":{"rendered":"LG: Unklare Versicherungsbedingungen gehen bis zur Grenze der Treuwidrigkeit zu Lasten der Krankenversicherung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/iuzb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-02-14-LG-D\u00fcsseldorf-1-O-86-16-Urteil.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-20870 alignright\" src=\"https:\/\/iuzb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-02-14-LG-D\u00fcsseldorf-1-O-86-16-Urteil-BILD.jpg\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/iuzb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-02-14-LG-D\u00fcsseldorf-1-O-86-16-Urteil-BILD.jpg 763w, https:\/\/iuzb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-02-14-LG-D\u00fcsseldorf-1-O-86-16-Urteil-BILD-263x120.jpg 263w, https:\/\/iuzb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-02-14-LG-D\u00fcsseldorf-1-O-86-16-Urteil-BILD-450x205.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/><\/a>Beharrlichkeit kann sich auszahlen. Im vorliegenden Fall hat das Landgericht Duisburg eine private Krankenversicherung zur Erstattung hoher Aufwendungen f\u00fcr Zahnersatz verurteilt. Die Versicherung wollte nur Kosten bis zu einem bestimmten Satz erstatten. Die Versicherungsbedingungen waren jedoch nicht eindeutig formuliert und diese Unklarheit musste sich die Versicherung anrechnen lassen.<\/p>\n<p>Aus dem Tatbestand:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kl\u00e4ger schloss mit dem beklagten Versicherer <span style=\"text-decoration: underline;\">1982<\/span> eine Krankheitskostenversicherung f\u00fcr sich und seine Ehefrau ab. Nach den zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen hat der Versicherer im Versicherungsfall, der medizinisch notwendigen Heilbehandlung wegen Krankheit oder Unfallfolgen, unter anderem Ersatz von Aufwendungen f\u00fcr die Behandlung zu leisten. Erstattungsf\u00e4hig sollten nur die Geb\u00fchren sein, die den jeweils g\u00fcltigen Geb\u00fchrenordnungen f\u00fcr \u00c4rzte bzw. Zahn\u00e4rzte entsprechen. Eingeschlossen in den Vertrag ist der Tarif MZ. Die zur Zeit des Vertragsschlusses geltenden <span style=\"text-decoration: underline;\">MB\/KK 76<\/span> sehen in Teil 11 f\u00fcr den Tarif MZ die Erstattung von Aufwendungen f\u00fcr<br \/>\n1. konservierende Zahnbehandlung,<br \/>\n2. Extraktion, Zahnfleischbehandlung,<br \/>\n3. Krone, Br\u00fccke, Gussf\u00fcllung,<br \/>\n4. Zahnprothesen,<br \/>\n5. Zahn- und Kieferregulierung unter Ausschluss der Kosten f\u00fcr Immediatprothesen vor.<br \/>\nNach Teil 111 der Bedingungen betr\u00e4gt die Erstattung f\u00fcr Krone, Br\u00fccke, Gussf\u00fcllung und Zahnprothesen, zusammengefasst als Leistungsposition B, 80 %, f\u00fcr die \u00fcbrigen Ma\u00dfnahmen, Leistungsposition A, 100 %.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den Entscheidungsgr\u00fcnden:<\/p>\n<blockquote>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die von der Beklagten gestellten Versicherungsbedingungen sind aus der Perspektive eines durchschnittlichen verst\u00e4ndigen Versicherungsnehmers auszulegen.<\/li>\n<li>Leistungseinschr\u00e4nkungen m\u00fcssen so klar formuliert sein, dass der Versicherungsnehmer durch ihre Lekt\u00fcre bei Aufwendung \u00fcblicher Aufmerksamkeit in die Lage versetzt wird, von ihnen Kenntnis zu nehmen. Die Formulierung<br \/>\n&#8222;<em>Erstattungsf\u00e4hig sind nur Geb\u00fchren, die den jeweils g\u00fcltigen Geb\u00fchrenordnungen entsprechen<\/em>&#8220;<br \/>\nerf\u00fcllt diese Anforderungen nicht. Sie l\u00e4sst unterschiedliche Interpretationen zu.<\/li>\n<li>Der Versicherungsnehmer muss nicht beim Versicherer, der die Bedingungen gestellt hat, nachfragen, was gemeint sein soll. Er darf erwarten, dass der Versicherer die Geb\u00fchren erstattet, die sich bei nach der Geb\u00fchrenordnung unter Einschluss von dieser zugelassener Honorarvereinbarungen zul\u00e4ssiger Abrechnung ergeben.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erstattungsf\u00e4higkeit ist auch nicht nach Treu und Glauben oder unter dem Gesichtspunkt des in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/315.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00a7 315 Abs. 3 BGB<\/a> zum Ausdruck kommenden Rechtsgedankens auf den 2,3-fachen bzw. 3,5-fachen Geb\u00fchrensatz beschr\u00e4nkt. Die Versicherungsbedingungen der Beklagten m\u00f6gen zur Folge haben, dass Versicherte nach freiem Belieben Honorarvereinbarungen mit \u00c4rzten schlie\u00dfen und so den Versicherer zu gleichsam uferlosen Erstattungen von Behandlungskosten verpflichten k\u00f6nnen. Gegenstand der Versicherung sind nach \u00a7 1 MB\/KK 76, Teil I, allerdings <span style=\"text-decoration: underline;\">die Kosten einer notwendigen Heilbehandlung<\/span> und nicht etwa <span style=\"text-decoration: underline;\">die notwendigen Kosten einer notwendigen Heilbehandlung<\/span>. Diese &#8211; \u00fcbrigens mit <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VVG\/192.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00a7 192 Abs. 1 VVG<\/a> gegenw\u00e4rtiger Fassung \u00fcbereinstimmende &#8211; Regelung verhindert, dass der Versicherte das Risiko zu tragen hat, sich zu marktgerechten Konditionen behandeln zu lassen.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li style=\"text-align: justify;\">Der M\u00f6glichkeit des Versicherten, durch seine Entscheidung eine Erstattungspflicht des Versicherers f\u00fcr Behandlungskosten in das Markt\u00fcbliche \u00fcberschreitender H\u00f6he herbeizuf\u00fchren, sind nach Treu und Glauben Grenzen gesetzt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese werden aber nicht schon deshalb \u00fcberschritten, weil eine &#8211; zumal nach \u00a7 2 Abs. 1 GOZ ausdr\u00fccklich zugelassene &#8211; \u00dcberschreitung der in der Geb\u00fchrenordnung vorgesehenen Geb\u00fchrens\u00e4tze vereinbart wird.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Hinzu kommen muss ein treuwidriges Verhalten des Versicherten oder des Versicherungsnehmers.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hierf\u00fcr ist im Falle des Kl\u00e4gers und seiner Ehefrau nichts ersichtlich.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Urteil des Landgericht D\u00fcsseldorf vom 14.02.2017 &#8211; <a href=\"https:\/\/iuzb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-02-14-LG-D\u00fcsseldorf-1-O-86-16-Urteil.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Az 1 O 86\/16<\/a> &#8211; ist sehr ausf\u00fchrlich und umfasst 40 Seiten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beharrlichkeit kann sich auszahlen. 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