{"id":20414,"date":"2017-04-12T19:39:58","date_gmt":"2017-04-12T17:39:58","guid":{"rendered":"http:\/\/iuzb.de\/?p=20414"},"modified":"2018-05-29T22:29:02","modified_gmt":"2018-05-29T20:29:02","slug":"ohrfeige-auf-einladung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=20414","title":{"rendered":"Ohrfeige auf Einladung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wahlbeobachter hatten bei der Kammerwahl Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten festgestellt. Der Berliner Zahnarzt Frank Bloch, ein Mitglied der Delegiertenversammlung, hatte darauf am Ende der Widerspruchsfrist Widerspruch eingelegt und kurz vor der ersten Sitzung der Delegiertenversammlung eine einstweilige Verf\u00fcgung gegen diese Sitzung beantragt. Dieser Antrag wurde abgewiesen, teils aus formalen Gr\u00fcnden (man h\u00e4tte zun\u00e4chst die Kammer auffordern sollen, die Sitzung abzusagen &#8211; in diesem Zeitrahmen leider nicht machbar), teils aus inhaltlichen Gr\u00fcnden (die zusammengetragenen Berichte der Wahlbeobachter &#8211; das hatte Zeit gedauert &#8211; hatten keine Mengenangaben enthalten, die eine Aussage zulie\u00dfen, dass das Fehlen dieser Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten zu einem anderen Ausgang der Wahl h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen). Soweit, so \u00e4rgerlich. Hunderte ung\u00fcltige Stimmen bei einer Kammerwahl unter Mitgliedern, die ohne Ausnahme lesen und schreiben k\u00f6nnen &#8230; das stinkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das wird man hinnehmen m\u00fcssen, wenn eine Justiz nach harten Fakten urteilen soll &#8211; nicht nach Geruch und Befindlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant ist dann aber das Nachspiel der Anw\u00e4lte der Berliner Zahn\u00e4rztekammer. Diese hatten den vom Verwaltungsgericht angesetzten Streitwert von 2.500 \u20ac beanstandet, der Streitwert sei doch eigentlich weit \u00fcber 40.000 \u20ac, so viel koste nun mal eine neue Kammerwahl. Und nach diesem Streitwert wollten sie auch ihre Bem\u00fchungen gegen\u00fcber dem Antragsteller in Rechnung stellen. Das w\u00e4re ihnen wahrscheinlich nicht eingefallen, wenn sie verloren h\u00e4tten.<br \/>\nAber zum Verlieren ist es nie zu sp\u00e4t.<br \/>\nNoch interessanter als dieser Versuch, einen schnellen Schnitt zu machen, ist die Antwort des Oberverwaltungsgerichts auf diese Beschwerde: Zun\u00e4chst einmal fragt es sich zu Recht, worin denn der Nachteil f\u00fcr die Kammer liegt, wenn alle beteiligten Rechtsanw\u00e4lte nach diesem niedrigen Streitwert abrechneten. Ein solcher Nachteil ist Voraussetzung f\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit einer Beschwerde. Und dann zeigt das Gericht, dass es dieses Man\u00f6ver der Kammer durchaus durchschaut. Abschreckung heisst die Devise, teuer soll es den zustehen kommen, der aufmuckt. Und das Gericht verweist die Berliner Zahn\u00e4rztekammer auf einen Paragraphen aus dem B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch, der einen allgemeinen Rechtsgrundsatz enth\u00e4lt: \u00a7 226 BGB mit der \u00dcberschrift &#8222;Schikaneverbot&#8220;. Danach ist es unzul\u00e4ssig, ein Recht auszu\u00fcben nur um jemandem zu schaden. Goldene Worte und so treffend. Eine Ohrfeige f\u00fcr eine \u00f6ffentlich-rechtliche K\u00f6rperschaft, die Opposition teuer machen will.<br \/>\nDass das Oberverwaltungsgericht dann die Berechnung des Verwaltungsgerichts best\u00e4tigt, sei nur der Vollst\u00e4ndigkeit nachgetragen.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-16500\" src=\"https:\/\/iuzb.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Gerhard-Gneist-klein-150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"200\" \/><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><br \/>\nGerhard Gneist<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>1. Vorsitzender IUZB e.V.<\/li>\n<li>Delegierter der Zahn\u00e4rztekammer Berlin<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahlbeobachter hatten bei der Kammerwahl Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten festgestellt. 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