{"id":12222,"date":"2015-06-24T20:26:40","date_gmt":"2015-06-24T19:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iuzb.org\/wordpress\/?p=12222"},"modified":"2017-04-08T19:44:04","modified_gmt":"2017-04-08T17:44:04","slug":"gericht-bestaetigt-wenn-die-mehrheit-in-einer-vertreterversammlung-es-will-ist-der-rechnungspruefungsausschuss-ein-zahnloser-tiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=12222","title":{"rendered":"Gericht best\u00e4tigt die Satzung: Wenn die Mehrheit in einer Vertreterversammlung es will, ist der RPA ein zahnloser Tiger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die bereits am 28. Juni 2009 von den damaligen drei Mitgliedern des Rechnungspr\u00fcfungsausschusses der KZV Berlin beim Sozialgericht Berlin eingereichte Klage (die per Gerichtsbescheid vom 03. April 2012 abgewiesen wurde), hat nunmehr das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg am 17. Juni 2015 entschieden und in der Berufungsverhandlung die Klage als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wesentlicher Hintergrund der Klage war, dass die drei Mitglieder des von der Vertreterversammlung eingesetzten Rechnungspr\u00fcfungsausschusses der Auffassung sind, dass sie im Rahmen ihres Pr\u00fcfauftrages nach <a href=\"http:\/\/www.sozialgesetzbuch-sgb.de\/sgbv\/79.html\" target=\"_blank\">\u00a7 79<\/a> Abs. 3 SGB V s\u00e4mtliche Gesch\u00e4fts und Verwaltungsunterlagen einsehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Begehren war den Mitgliedern des damaligen RPA vom Vorstand der KZV, und sp\u00e4ter nachtr\u00e4glich durch zwei Mehrheitsbeschl\u00fcsse der Vertreterversammlung vom 08. September 2008 und 15. Juni 2009, verweigert worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen, die Befugnis eines Rechnungspr\u00fcfungsausschuss einschr\u00e4nkenden Ma\u00dfnahmen, waren die Mitglieder des RPA (Dohmeier, Klutke, Palloks) nicht einverstanden. Sie waren der Auffassung, dass eine sachgerechte Pr\u00fcfung nur ohne Einschr\u00e4nkungen m\u00f6glich ist und ihnen bei der Pr\u00fcfungst\u00e4tigkeit Unabh\u00e4ngigkeit und Einsichtsrechte zugestanden werden sollen bzw. m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Auffassung ist auch das Landessozialgericht <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span> gefolgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachfolgend die wichtigsten Aussagen der m\u00fcndlichen Urteilsbegr\u00fcndung des Landessozialgerichts in einer ersten Zusammenfassung und ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die Berufung der Kl\u00e4ger gegen den Gerichtsbescheid des Sozialgerichts Berlin vom 03. April 2012 wurde zur\u00fcckgewiesen. Die Kl\u00e4ger tragen die Kosten des Berufungsverfahrens. Eine Revision ist nicht zugelassen. Der Streitwert betr\u00e4gt 5000 \u20ac.<\/li>\n<li>Der Senat stellt fest, dass das Urteil des Sozialgerichts nicht zu beanstanden sei.<\/li>\n<li>Die erhobene Klage sei unzul\u00e4ssig bzw. unbegr\u00fcndet, weil kein subjektives Klagerecht der Kl\u00e4ger als ehemalige Mitglieder des Rechnungspr\u00fcfungsausschusses best\u00fcnde.<\/li>\n<li>Der Satzung, der Rechnungspr\u00fcfungsordnung oder dem Haushaltsrecht f\u00fcr die Sozialversicherungstr\u00e4ger, sei kein entsprechendes subjektives Recht zu entnehmen. Nach <a href=\"http:\/\/www.sozialgesetzbuch-sgb.de\/sgbv\/79.html\" target=\"_blank\">\u00a7 79<\/a> Abs. 3 SGB V st\u00fcnde das Recht, den Vorstand zu \u00fcberpr\u00fcfen, den Vorstand zu entlasten und Einsicht in die Unterlagen zu nehmen, der Vertreterversammlung nur als Ganzes zu.<\/li>\n<li>Die Vertreterversammlung kann solche Rechte Hilfsorganen zuweisen, aber auch jederzeit begrenzen. Hierf\u00fcr habe sie jederzeit die Befugnis.<\/li>\n<li>Die Rechnungspr\u00fcfung sei als ein ausgelagerter Teil der Satzung zu betrachten. Dass die zurzeit g\u00fcltige Rechnungspr\u00fcfungsordnung erst nach Einreichung der Klage erlassen wurde, sei unerheblich.<\/li>\n<li>Der Berufungsantrag sei auch deshalb unzul\u00e4ssig, weil die Kl\u00e4ger nicht mehr Mitglieder des aktuellen Rechnungspr\u00fcfungsausschusses sind und deshalb folglich auch heute keine Einsichtnahme mehr verlangen durften und dem dar\u00fcber hinaus die zwischenzeitlich erfolgte Entlastung entgegenst\u00fcnde.<\/li>\n<li>Wenn die Vertreterversammlung entlastet habe und damit festgestellt worden sei, dass sie keine Einsichtsrechte mehr verlange, k\u00f6nne ein Hilfsorgan dies gegen den Willen einer Vertreterversammlung nicht mehr erwirken.<\/li>\n<li>Zum Hilfsantrag sei der Senat davon \u00fcberzeugt, dass der Feststellungfortsetzungsantrag unzul\u00e4ssig sei, weil es ihm an dem Feststellungfortsetzungsinteresse fehle.<\/li>\n<li>Es wurde der Hinweis gegeben, dass damit keine rechtsfreien R\u00e4ume geschaffen seien. Wenn die Vertreterversammlung rechtlich zweifelhafte Entlastung ausspr\u00e4che oder von vornherein auf die Wahrnehmung gewisser Rechte verzichten w\u00fcrde, st\u00fcnden den Mitgliedern der Vertreterversammlung die M\u00f6glichkeit offen, entweder sich an die Aufsichtsbeh\u00f6rde zu wenden, um ein entsprechendes Verhalten zu korrigieren, oder gegebenenfalls im Innerorganstreit mit der Vertreterversammlung bestimmte Rechte geltend zu machen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist das 2009 begonnene Gerichtsverfahren juristisch verbindlich zu Ende gef\u00fchrt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald die schriftliche Urteilsbegr\u00fcndung des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vorliegt, werden wir es ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. H. Dohmeier-de Haan<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die bereits am 28. Juni 2009 von den damaligen drei Mitgliedern des Rechnungspr\u00fcfungsausschusses der KZV Berlin beim Sozialgericht Berlin eingereichte Klage (die per Gerichtsbescheid vom 03. April 2012 abgewiesen [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"iawp_total_views":2,"footnotes":""},"categories":[45,129,68],"tags":[],"class_list":["post-12222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kzv-berlin","category-rechnungspruefung","category-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12222"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12222\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16308,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12222\/revisions\/16308"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/iuzb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}