{"id":1026,"date":"2009-11-08T14:21:26","date_gmt":"2009-11-08T12:21:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iuzb.org\/wordpress\/?p=1026"},"modified":"2016-11-30T20:13:00","modified_gmt":"2016-11-30T19:13:00","slug":"kzv-berlin-wirtschaftlichkeitsprufung-im-nachtnotfalldienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iuzb.de\/?p=1026","title":{"rendered":"KZV Berlin &#8211; Wirtschaftlichkeitspr\u00fcfung im Nachtnotfalldienst"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: white;\">.<\/span><\/p>\n<h3><strong>Ehrenamtlicher Richter \u2013 welche Ehre \u2026<\/strong><\/h3>\n<p><em>Ein Kommentar von Gerhard Gneist zur einer Verhandlung vor dem Berliner Sozialgericht<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"color: white;\">.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Rechtssystem hat einige Grunds\u00e4tze, auch in Hinblick auf die Person des Richters. Schlie\u00dflich soll ein Mensch mit Herz und Verstand ein Urteil f\u00e4llen, keine Maschine. An diesen Menschen, sei er nun ehrenamtlich oder hauptamtlich t\u00e4tig, sind gewisse Grundanforderungen zu stellen. Neutralit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit sind das oberste Gebot f\u00fcr einen Richter. Und wenn er das in einem Einzelfall nicht kann, kann er sich selbst f\u00fcr befangen erkl\u00e4ren. Und ein ehrenamtlicher Richter kann das mit dem hauptamtlichen Richter er\u00f6rtern und sich Rat holen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gebietet die Ehre dieses Amtes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 04.11.2009 war zumindest f\u00fcr das Sozialgericht Berlin in dieser Hinsicht ein d\u00fcsterer Tag, und das nicht wegen der Schneewolken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In \u00f6ffentlicher Verhandlung ging es dort um die Wirtschaftlichkeit im vierten Quartal 2002 bei der Abrechnung der Zahnarztpraxis Dr. J\u00f6rg Meyer (gemeint war der sogenannte zahn\u00e4rztliche Nachtnotfalldienst im Krankenhaus am Friedrichshain). Interessanterweise ging es in der aktuellen Verhandlung vor dem Sozialgericht auch nur noch um die Praxis Dr. J\u00f6rg Meyer und nicht mehr um irgendeinen vorgeschobenen Tr\u00e4ger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur zur Erinnerung, dieser Nachtnotfalldienst wurde \u2013 auch nach Erkenntnis des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg und des Sozialgerichts Berlin \u2013 nicht von einem Tr\u00e4ger, sondern von einem niedergelassenen Zahnarzt betrieben, der dazu gar nicht h\u00e4tte erm\u00e4chtigt werden d\u00fcrfen und so <strong>einige Hunderttausend Euro<\/strong> zus\u00e4tzlich abrechnen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem Zahnarzt <a href=\"http:\/\/www.zahnaerzteverband-berlin.de\/dv.php\" target=\"_blank\">Herrn Dr. J\u00f6rg Meyer<\/a> handelt es sich um den<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Pressesprecher der KZV Berlin,<\/li>\n<li>stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsausschusses des Versorgungswerkes der Zahn\u00e4rztekammer Berlin und den<\/li>\n<li><strong>2. Vorsitzenden des Verbandes der Zahn\u00e4rzte von Berlin e. V.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon die Behandlung von Herrn Dr. Meyer durch den Vertreter der KZV Berlin (die zum Verfahren Beigeladene) war denkw\u00fcrdig. Jeder Vertragszahnarzt in vergleichbarer Lage kennt die Vertreter der KZV, die mit festem Blick auf die Mitgliedergesamtheit vor Gericht wacker auf den einzelnen Vertragszahnarzt losgehen. Anders die Behandlung von Herrn Dr. Meyer. Dieser war pers\u00f6nlich nicht anwesend, sondern hatte sich durch einen Anwalt vertreten lassen. Den h\u00e4tte es allerdings nicht gebraucht \u2013 der KZV-Vertreter war zuvorkommend, bem\u00fchte sich um alle f\u00fcr Herrn Dr. Meyer positiven Aspekte und zeigte so eine Seite, die Vertragszahn\u00e4rzte in derartigen Verfahren sehr selten sehen. Und das wohlgemerkt angesichts der Tatsache, dass Herr Dr. Meyer eigentlich nach Auffassung der sozialrechtlichen Rechtsprechung diese Honorare aus dem Nachtnotfalldienst insgesamt an die KZV Berlin zur\u00fcckzahlen m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solch eine Behandlung w\u00fcnscht man sich f\u00fcr alle Vertragszahn\u00e4rzte \u2013 oder f\u00fcr keinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es gab noch eine Steigerung \u2013 und das auf der Richterbank. Dort fungierte n\u00e4mlich als ehrenamtlicher Richter <a href=\"http:\/\/www.zahnaerzteverband-berlin.de\/dv.php\" target=\"_blank\">Herr Dr. Wolfgang Kopp<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Kopp ist der <strong>1. Vorsitzende des Verbandes der Zahn\u00e4rzte von Berlin e. V.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das brachte ihn offenbar nicht auf die Idee, er k\u00f6nne befangen sein, seine Neutralit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit k\u00f6nnte fraglich sein, wenn es um ein Verfahren seines direkten Vorstandskollegen geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und im Rahmen der Verhandlung wurde deutlich: seine Neutralit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit waren nicht fraglich \u2013 sie waren schlicht nicht vorhanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Versuche der Einflussnahme waren eindeutig und einem Vertreter zum Verfahren beigeladenen 5 Krankenkassen\/Verb\u00e4nde blieb nichts anderes \u00fcbrig, als einen Befangenheitsantrag zu stellen, es ging schlie\u00dflich um die vertragsgerechte Verteilung der von den Krankenkassen bereitgestellten Gesamtverg\u00fctungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Befangenheitsantrag wird jetzt das Landessozialgericht zu entscheiden haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War das n\u00f6tig?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte nicht bereits eine Spur von Anstand, Selbstkritik und Selbstachtung dazu f\u00fchren m\u00fcssen, dass ein solcher Richter sich selbst f\u00fcr befangen erkl\u00e4rt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber \u00fcberrascht es uns, dass Herr Dr. Kopp das nicht fertig gebracht hat?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Herr Dr. Kopp, erweisen sie der Sozialgerichtsbarkeit Berlins einen ersten und letzten Dienst, legen Sie das Richteramt nieder!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: white;\">.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>. 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