Kammerpräsident verweigert Entschuldigung für „Bock auf Doktorspiele?“

„Bock auf Doktorspiele?“ – MBZ-Rückruf war nicht mehr möglich

Bericht von der Delegiertenversammlung vom 13.02.2019

Wie entlarvend unprofessionell ist das Verhalten der Vorstandsvorsitzenden der Zahnärztekammer Berlin, wenn sie den Delegierten in der Versammlung am 13.02.2020 offenbarten, dass sie sich für den geschmacklosen Werbeclaim „Bock auf Doktorspiele“ die zustimmende Meinung von Jugendlichen aus ihrem persönlichen Familien- bzw. Bekanntenkreis eingeholt haben?

Statt eigene Ideen zu entwickeln und in Zusammenarbeit mit allen Delegierten ernsthaft Initiativen zur Verbesserung der Ausbildungssituation zu diskutieren und gemeinsam umzusetzen, wurde für diese, für viele Zahnarztpraxen existenzielle Maßnahme, eine Marketingfirma beauftragt, von der man sich eine gezielt zweideutige Anzeige als wohl unbedingt notwendig hat verkaufen lassen.

Der für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Vizepräsident Herr Dr. Michael Dreyer, verteidigte die Vorstandsentscheidung und betonte, dass „auffallen“ das Ziel war, um den „speziellen Klientelkreis der zwischen 15 und 18 Jährigen“ zu erreichen und der Präsident Herr Dr. Karsten Heegewaldt wies darauf hin, dass „Doktorspiele im Kindergarten praktiziert werden“ und „nichts mit MeToo zu tun haben und definitiv nicht sexistisch seien“. Dennoch habe man den Slogan nach nur 1 Tag in „Lächeln schenken“ umbenannt, weil man wohl die Meinung von Kammermitgliedern im gesetzteren Alter falsch eingeschätzt hatte, welche sich darüber beschwert hatten. Die Anzeige im MBZ konnte hingegen nicht mehr zurückgerufen werden.

Der Wunsch aus dem Mitgliederkreis und der IUZB, der Vorstand möge mit einer öffentlichen Entschuldigung auf den Vorfall reagieren, wurde vom Präsidenten laut, deutlich und scheinbar „eingeschnappt“ mit NEIN beantwortet.

Auch die beiden weiblichen Vorstandsmitglieder, Frau Dr. Juliane von Hoyningen-Huene und Frau Dr. Jana Lo Scalzo, haben nicht erkennen lassen, dass sie dem geschmacklosen und zweideutigen Werbeclaim nicht zugestimmt hatten. Bestenfalls waren sie an der Entscheidung nicht beteiligt. Denn die Auskunft, welche Vorstandsmitglieder dem Claim zugestimmt hatten, variierte zwischen „alle“ und „die an dem Tag Anwesenden“.

 

 

 

Dr. Helmut Dohmeier-de Haan

Delegierter
2. Vorsitzender IUZB e.V.

 

 

 

 

Vorhergehend zu „Bock auf Doktorspiele?“:

  • OFFENE Anfrage der IUZB an den Präsidenten der Zahnärztekammer Berlin vom 02.12.2019 und
  • Antwort der Zahnärztekammer Berlin vom 02.12.2019

4 Kommentare

  • Anonymous

    In der neusten Sebstdarstellung des Verbandes wird kolportiert das der Verband für Beständigkeit steht, – ja das tut er insbesondere dadurch, dass er sich seit Jahren zu Lasten der Gesamtkollegenschaft für die pekuniären Exzesse der eigenen Funktionäre einsetzt – Zuverlässigkeit – ja auch das tut er indem er kritiklos, blind den Vorgaben seiner zahnärztlichen Spitzenfunktionäre wie Lemminge folgt. Der Kollege Heegewaldt ist Mitglied des Verbandes der Zahnärtze … 

  • Uwe Gerber

    Man stelle sich einmal vor, der DEHOGA würde für den Ausbildungsberuf Hotelfachmann/-frau mit dem Claim "Lust auf Zimmermädchenspiele?" werben und das damit begründen, das man halt "auffallen" und einen "speziellen Klientelkreis der zwischen 15 und 18 Jährigen" erreichen möchte. Und viele Clicks dann auch noch als Erfolg werten.

    Dabei ist der Claim "Bock auf Doktorspiele?" der Zahnärztekammer Berlin noch viel schlimmer, weil er eben mit der Doppeldeutigkeit spielt. Denn natürlich geht es bei der Ansprache an Jugendliche nicht mehr um Kinderspiele, denn der Kindheit ist die Zielgruppe ja schon entwachsen, sondern um Assoziationsweckung in Bezug auf Erwachsenenspiele. Und da die meisten ZFA-Auszubildenen weiblich sind, eben um die Abbildung eines Frauenbildes, wie es bei Wikipedia auf diesem Beispielbild unter "Doktorspiele/Klinikerotik" abgebildet ist:

    Wer verantwortlich für einen Ausbildungsberuf werben möchte, sollte dies geschlechtsneutral und nicht mit überholten Frauen-/Männerbildern tun, sondern die wirklichen Qualitäten des Berufes hervorheben.

    Wie wäre es denn mit dem Slogan: "ZFA – Am besten bezahlter Ausbildungsberuf unter den medizinischen Fachananstellungsberufen; (wenn es doch nur so wäre). Denn: "Wer am meisten bietet, der bekommt auch mehr", oder?

    • Anonymous

      Antidiskriminierungsgesetz

      Auf der Internetseite der Zahnärztekammer findet sich der Gesetzestext, der neben einem arbeitsrechtlichen Diskriminierungsverbot und seinen Ausnahmeregelungen auch die Maßnahmen und Pflichten des Arbeitgebers zum Schutz vor Benachteiligungen am Arbeitsplatz regelt. 

      In §3 des Gesetzes heißt es:

      (4) Eine sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung in Bezug auf § 2 Abs. 1 Nr. 1bis 4, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.

      Von einem Vorstand einer öffentlich-rechtlich Körperschaft ist zu erwarten, dass er mit dem Inhalt seiner eigenen Internetseite vertraut ist.

      H.Dohmeier-de Haan

       

       

       

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