Bundestag: Anerkennung von „Asozialen“ und „Berufsverbrechern“ als Opfer des Nationalsozialismus

Der Deutsche Bundestag hat gestern dem Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD mit dem Titel

mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen, der FDP-Fraktion, der Fraktion Die Linke und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei Enthaltung der AfD-Fraktion angenommen.

  • Deutscher Bundestag: 146. Sitzung vom 13.02.2020 – TOP 16 Anerkennung von NS – Opfergruppen
  • Petition: Anerkennung von „Asozialen“ und „Berufsverbrechern“ als Opfer des Nationalsozialismus von Frank Nonnenmacher
  • Der Freitag: Eine Wende in der Erinnerungskultur? von Frank Nonnenmacher

 

 

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Mein Dank gilt dem Engagement von Herrn Frank Nonnenmacher und nehme diesen überfälligen Beschluss mit Befriedigung zur Kenntnis.

Mein Großvater mütterlicherseits gehörte diesen Opfergruppen an. Er war von Beruf ursprünglich Schriftsetzer und Kleinhändler, wurde dann aber unheilbar krank und dadurch arbeitslos, arm und konnte so seine Familie nicht mehr ernähren, wie sich aus einem Bittbrief von ihm im Jahr 1936 an das Preußische Arbeitsministerium ergibt.

Mein Großvater wurde  am 18. Juni 1938 in Berlin-Charlottenburg verhaftet. Meine Familie vermutete als Grund einem von ihm in der Öffentlichkeit geäußerten Hitlerwitz.

Erst über einen Zeitungsartikel im Deutschlandfunk vom 13. Juni 2016 unter dem Titel „Die letzten vergessenen Opfer“, konnte ich sein Schicksal abschließend richtig einordnen. Demnach wurden unter einer Aktion „Arbeitsscheu Reich“ unter anderem in der Zeit zwischen dem 13. und 18. Juni 1938 mehr als 10.000 arbeitsfähige Männer gefangen genommen und in Konzentrationslager verschleppt.

Mein Großvater war einer dieser Opfer. Er kam in das Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin und wurde dort am 07. September 1939 ermordet. Als Todesursache wurde „Schizophrenie“ vermerkt. Mein Großvater wurde nur 39 Jahre alt.

Uwe Gerber