PFAFF: Ehemalige Buchhalterin zu Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt

Amtsgericht Tiergarten (Foto Gerhard Gneist)

Wegen Computerbetrugs in 59 Fällen wurde heute eine ehemalige Buchhalterin der „Philipp-Pfaff Institut  Fortbildungseinrichtung der Landeszahnärztekammern Berlin und Brandenburg GmbH“ zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und 8 Monaten verurteilt. Außerdem muss sie 1.000 € Strafe an eine gemeinnützige Organisation zahlen.

Die Freiheitsstrafe wurde vom Gericht für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, weil sie Ersttäterin ist, voll geständig war, Reue zeigte, um Schadensgutmachung bemüht ist und eine gute Sozialprognose vorweisen konnte, so hat sie mittlerweile wieder eine Anstellung als Buchhalterin gefunden.

Die ehemalige Buchhalterin hatte sich von 2013 bis 2018 in 59 Fällen vom Geschäftskonto der Fortbildungseinrichtung Geldträge in Höhe von insgesamt rund 165.000 € auf ihr eigenes Bankkonto überwiesen. Aber auch in den Jahren zuvor hatte sie sich schon Gelder überweisen, so dass sich die Gesamtsumme auf rund 330.000 € beläuft. Wegen inzwischen eingetretener Verjährungen, fanden jedoch „nur noch“ diese 59 Zahlungen Eingang in das Strafverfahren.

Entgegen bisherigen Vermutungen, hat sie hierbei nicht fingierte Rechnungen erstellt, sondern die TAN Liste des seinerzeitigen Geschäftsführers ohne dessen Wissen benutzt und die Zahlungsabflüsse vom Bankkonto dann in der Buchhaltung auf Aufwands(referenten)konten gegengebucht bzw. verbucht. Zwar war sie als Buchhalterin tätig, in ihrem Fall oblag ihr hierbei aber keine eigene Vermögensbetreuungspflicht, so dass in ihrem Fall keine Untreue vorliegt, sondern (gewerbsmäßiger) Computerbetrug. Was aber keine Rolle spielt, weil Untreue, Betrug und Computerbetrug laut dem Gericht alle den gleichen Strafrahmen haben.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich im Vorfeld auch schon auf dieses Strafmaß geeinigt und nach nach Abschluss der gerichtlichen Beweisaufnahme, wobei auch Zeugen gehört wurden, hat sich das Gericht dann dem angeschlossen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Amtsgericht Tiergarten, Az 282 Ds 63/19

9 Kommentare

  • Anonymous

    Und wie haben sich die Gesellschafter des Phillip Pfaff Institutes nach dem Prozess dazu geäußert? Oder haben sie schweigend dem Gerichtssaal verlassen?

    • Anonymous

      Die Gesellschafter – hier die ZÄ-Kammern Brandenburg und Berlin – interessierten sich offensichtlich nicht für diesen Prozess – es war kein Vertreter der Vorstände im Gerichtssaal anwesend. Offensichtlich sind die veruntreuten mehr als 330.000.- Euro für die Vorstände der o.g. Kammern als "Peanuts" abgeschrieben.

  • Uwe Gerber

    Wer sich angesichts der Größenordnung, der Anzahl und des langen Zeitraums der Straftaten über die Bewährung wundert, ich und mehrere anwesende (Delegierte) der IUZB haben das nämlich: Das ist wohl bei Ersttätern und wenn eine günstiger Sozialprognose vorliegt und der Schaden unter 1 Million Euro liegt, so üblich. Das Urteil liegt von daher in dem Rahmen anderer derartiger Fälle, auch wenn hier ein Fall von "gewerbsmäßigem" Computerbetrug vorliegt, weil sich die Angeklagte eine dauerhafte Einnahmequelle verschafft hatte und das Gericht auch sehr wohl verstanden hat, dass es auch Taten vor den hier verhandelten 59 Fällen gab. Die 1 Million Euro Grenze entspricht wohl der Rechtsprechung des BGH, denn bei Schäden ab 1 Million Euro darf eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht mehr erfolgen. Und im Umkehrung bedeutet das eben praktisch: Unter 1 Millionen Euro Schaden, Ersttäter, und bei Positivmerkmalen = Bewährung. So "Pi mal Daumen".

  • Uwe Gerber

    Und was lernt man nun daraus?

    Es macht absolut Sinn, TAN Listen oder andere Authentifizierungsnachweise getrennt und sicher zu verwahren, damit auch wirklich nur die berechtigte Person Zugang dazu hat.

    Hier hätte, jedenfalls nach dem Schilderungsablauf vor Gericht, möglicherweise eine simple 50 € Investition in einen kleinen Tresor oder Geldkassette ausgereicht, um die 330.000 € nicht zu verlieren.

    Von daher machen auch die Zwei-Faktor-Authentisierungen, die jetzt ja bei Banken, im Zahlungsverkehr und im elektronschen Versandhandel eingeführt werden, Sinn.

     

  • Uwe Gerber

    Das Vieraugen-Prinzip gestaltete sich so, dass die (ehemalige) Buchhalterin eine TAN Liste und der (ehemalige) Geschäftsführer eine TAN Liste hatte. Die Buchhalterin bereitete die Zahlungen vor, ging dann diese zusammen mit dem Geschäftsführer im Einzelnen durch und dann wurden die  Zahlungen für die Einzelbeträge durch zwei TANs ausgelöst, also mittels elektronischer Doppelzeichnung. Früher wurde dies für jede einzelne Überweisung so getan, was aber sehr viel Arbeit verursachte. Später wurden die Einzelbeträge dann in Sammelüberweisungen zusammengefasst. Aber auch hier wurden die Zahlungen dann weiterhin durch Eingabe einer TAN der Buchhalterin und einer TAN des Geschäftsführers ausgelöst.

    Was den Tathergang der unberechtigten Zahlungen angeht, so erklärte die Buchhalterin, dass sie regulär einen Schlüssel vom Büro des Geschäftsführers hatte. Die TANs des Geschäftsführers befand sich nicht in einem Tresor oder einer Geldkassette, sondern in einem Büroschrank in seinem Büro. Früh morgens, als sie noch alleine in den Geschäftsräumen war, ging sie in das Büro des Geschäftsführers und entwende jeweils eine TAN aus dem Büroschrank. Sie gab an, dass sie nicht alle TANs kopiert und behalten hat, sondern dass sie für jede einzelne neue Überweisungen an sich selbst sich jeweils eine neue TAN geholt hat. Daraus ist zu folgern, dass der Schrank zu diesen Zeitpunkten also nicht verschlossen war, da sie angab für diesen Schrank keinen Schlüssel gehabt zu haben.

    Die Buchhalterin gab außerdem an, dass die Post mit den Bankkontoauszügen i.d.R. ungeöffnet an ihren Arbeitsplatz gelangte.

    Der Geschäftsführer, der nach dem Geständnis der Buchhalterin als Zeuge angehört wurde, war sich anscheinend bis zur Verhandlung nicht darüber bewusst, wie die Buchhalterin die Taten begangen hatte. Er hatte wohl den Verdacht, dass ihm fingierte Rechnungen vorgelegt wurden, er also durch Täuschung die Zahlungen auf das Konto der Angeklagten selbst mit ausgelöst hatte. Das war aber nicht der Fall. Nicht der Geschäftsführer wurde getäuscht, sondern der Computer der Bank mittels der ausgespähten TANs des Geschäftsführers.  Darum wurde die Angeklagte auch wegen Computerbetrug in 59 Fällen verurteilt.

    Nachdem das Gericht den Geschäftsführer während seiner Zeugenaussage darüber informiert hatte, dass die Angeklagte zuvor gestanden hatte, die Taten durch das Ausspähen der TAN Liste begangen zu haben, erklärte dieser, dass sie dies dann wohl getan haben musste, als er während der Bürozeit, also tagsüber, mal nicht in seinem Büro war, weil der Büroschrank mit seinen TANs nach Büroschluss von ihm immer abgeschlossen wurde. Auch gab er an, die Bankkontoauszüge in Stichproben regelmäßig geprüft zu haben, wobei ihm aber nie etwas aufgefallen war.

    Allerdings kam nicht zur Sprache, bzw. hat das Gericht daher auch nicht geklärt, wie die Angeklagte es vermocht hat, die Überweisungen zu ihren Gunsten auch dann vorzunehmen, als das Verfahren dann später auf papierlose Sicherung-Sticks umgestellt wurde?

    Hierbei ist aber auch anzumerken, dass das Gericht den Tatablauf der 59 Zahlungen nicht im Detail überprüft hat. Es hat auch nicht geklärt, ob das Ausspähen nun morgens oder tagsüber erfolgte. Das alles war durch das allgemeine Geständnis nicht (mehr) notwendig, was auch das Gericht dankbar und zum Vorteil der Angeklagten anerkannt hat, weil es die Beweisaufnahme und somit die Verhandlung erheblich verkürzt hat.

    Die Angeklagte hatte also die 59 Taten insgesamt gestanden und über den Tathergang eine Aussage gemacht. Das Gericht hatte daraufhin einige Zeugen, darunter auch den damaligen Geschäftsführer, mit den Ziel angehört, dass Geständnis der Angeklagten lediglich auf Plausibilität zu überprüfen.

    Nach Anhörung der Zeugen ergab sich für das Gericht dann diese Plausibilität und es wurde das o.g. Urteil gesprochen.

    • Anonymous

      Die TAN-Liste bzw. den TAN-Stick nicht in einem dauerhaft verschlossenen Behältnis aufzubewahren erscheint mehr als nur fahrlässig!

  • Anonymous

    Wo sind die 330.000€? Wer muss diesen Fehlbetrag ausgleichen??

     

  • Uwe Gerber

    Ergänzung:

    Als die ehemalige Buchhalterin vor dem Gericht ihr Geständnis abgelegt hatte, saßen auf der Zuhörerbank keine Vorstände/Geschäftsführung/Juristen der beiden geschädigten Zahnärztekammern.

    Von der IUZB waren fünf Mitglieder der Delegiertenversammlung der ZÄK Berlin anwesend. Den Termin hatten wir von der IUZB offiziell telefonisch von der Gerichtsauskunft erhalten.