Radtke: „Mein Weltbild war immer klar und bekannt.“

Antwortschreiben von Herrn Dr. Marius Radtke zu: „Die AfD in unserem Berufsstand

Der Verband der Zahnärzte von Berlin hat das an ihn bzw. an Herrn Dr. Jörg-Peter Husemann (stellv. Vorstandsvorsitzender KZV Berlin) gerichtete Antwortschreiben über seine Webseite ins Internet gestellt. Wir bitten um inhaltliche Kenntnisnahme von Herrn Dr. Radtkes Antwort:

Verband der Zahnärzte von Berlin:
Antwort des Koll. Radtke
Im Nachgang

Im letzten Heft hatten wir einen Artikel der Koll. Husemann abgedruckt, wo er seine kritische Sicht auf die AFD und dies besonders vor dem Hintergrund, dass zwei Kollegen des FVDZ an exponierten Stellen für diese Partei arbeiten. Einer von Ihnen hatte uns eine Erwiderung gesandt, die wir hier nicht abdrucken werden. Für Interessenten steht der Brief als Download zur Verfügung.

antwort_radtke.pdf

Weiterführend:

5 Kommentare

  • Uwe Gerber

    Dr. Radtke schreibt:

    Du hast nur eines meiner Ämter in dreißig Jahren standespolitischer Tätigkeit genannt, aber davon ganz abgesehen:
    Mein Weltbild war immer klar und bekannt. Es ist relativ konstant und hat bisher nie Anstoß erregt. Dazu zählt auch, daß ich mein Mäntelchen nicht nach der Mode hänge. So kommt es, daß ich für Positionen, die die CDU noch vor Merkel vertreten hat und die selbst IM Erika noch vor Ihrer Kanzlerschaft vertreten hat, übelst diffamiert und beschimpft werde.

    Dazu:

    1. "klar und bekannt" fiel mir ins Auge, daher habe ich es für die Überschrift gewählt.

    2. Eine Übersicht über Dr. Radtkes Ämter aus offenen Quellen finden Sie unter anderem hier.

    3. Dann setzt Herr Dr. Radtke wie ganz selbstverständlich einen angeblichen Stasi-Decknamen "IM Erika" gleich mit Dr. Angela Merkel, beschuldigt sie also eine Inoffizielle Mitarbeiterin des ehemaligen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit gewesen zu sein.

    Ist mir neu und hat mich interessiert.

    Dazu bitte der Hinweis auf eine in sehr ausführlicher Form veröffentlichte Spurensuche von H. Knabe vom 09.09.2019, worüber der Verfasser auch schon als Gastautor in der FAZ vom 11.06.2019 berichtet hatte. Der Autor legt sich nicht endgültig fest, kommt aber anhand der Faktenlage bisher zu folgenden Ergebnissen:

    1. Nimmt man alle diese Fakten zusammen, muss man zu folgendem Schluss kommen: Für die Behauptung, Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte unter dem Decknamen “Erika” für den Staatssicherheitsdienst gearbeitet, gibt es keinerlei Belege.
    2. Bleibt noch die Frage, woher eigentlich der Deckname “Erika” stammt. Er wird so selbstverständlich als Synonym für Angela Merkel benutzt, dass man annehmen müsste, es gäbe […] Stasi-Unterlagen, aus denen das hervorgeht. Das ist aber nicht der Fall.
      Geht man der Sache auf den Grund, stößt man nach langem Suchen auf einen Mann, der vor Jahren behauptete, dass Merkels Ex-Kollege Michael Schindhelm sie in seinem Roman “Roberts Reise” beschreibt – und dort Erika nennt. Weil Schindhelm IM war und Merkel diesen Namen gab, sei dies auch ihr Stasi-Name gewesen. Eine Romanfigur aus dem Jahr 2000 als Beleg für einen Decknamen des MfS? Die Wirklichkeit ist noch kurioser: In Schindhelms Roman gibt es gar keine Erika. Die junge Wissenschaftlerin, die Radtouren durch die Mark Brandenburg liebt und sich für Gorbatschows Sowjetunion interessiert, heißt – Renate. “Erika” ist demnach nicht einmal eine Romanerfindung.
    3. Und das im Netz so populäre YouTube-Video, das Angela Merkel mit Egon Krenz zeigen soll? Auch diese Behauptung ist eine Erfindung. Die kurzhaarige Frau ist die damalige Gattin des FDJ-Chefs Eberhard Aurich, wie dieser in eine Email bestätigt. Auch er habe sich schon über diese Fehlinformation aufgeregt.
    4. Honeckers Sekretär ist ebenfalls nicht echt, denn dieser hieß nicht Friedhelm Nuschke, sondern Frank-Joachim Herrmann.
    5. Und der im Internet abgebildete Orden, ist ein anderer als der, den sie als Schülerin für ihre guten Leistungen erhielt.
    6. Nur das lachende Mädchen in der Uniform der DDR-Zivilverteidigung ist tatsächlich Angela Merkel. Eine ihrer früheren Mitschülerinnen hatte es 2013 der BILD-Zeitung zur Verfügung gestellt – zu einer Zeit als es im Internet gerade populär zu werden begann, sie grundlos “IM Erika” zu nennen.

     

  • Uwe Gerber

    Dr. Radtke schreibt:

    "Sicher, es wird niemand für seine Meinungsäußerung gleich eingesperrt – jedenfalls in Größenordnungen(!) noch nicht."

    Was meint er damit?

    In der Bundesrepublik Deutschland wird niemand für seine Meinungsäußerung eingesperrt. Das liegt daran, dass die Meinungsfreiheit in Artikel 5 Grundgesetz garantiert ist.

    Natürlich gibt es auch vernünftige Grenzen der Meinungsfreiheit. Nämlich dann, wenn eine Meinungsäußerung mit anderen (Grund)rechten kollidiert, wie zum Beispiel bei der "Böhmermann-Affäre". Aber "gleich" erfolgt hier gar nichts, voran geht stets ein rechtsstaaatliches Verfahren. Oft auch durch mehrere Instanzen.

    Und "eingesperrt"?

    Hierzu fallen mir zwei Fälle ein: Ursula Haverbeck und Horst Mahler.

    Bei "Holocaustleugnung" bzw. "§130 Strafgesetzbuch – Volksverhetzung" endet eben das Recht seine Meinung öffentlich zu äußern – und das ist auch gut so!

    Und „noch nicht“?

    Na, hoffen wir mal, dass sich in Deutschland nicht Kräfte durchsetzen, welche die Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit oder der Gewaltenteilung, wie zum Beispiel der richterlichen Unabhängigkeit, zum eigenen Machterhalt zum Ziel haben, durchsetzen werden.

    Beliebte Doppeldeutigkeiten wie zum Beispiel „Wir wissen nicht was kommt“ (16:50) sollte man wohl in jedem Kontext ernst nehmen.

  • Uwe Gerber

    Dr. Radtke schreibt:

    Lieber Jörg (oder darf ich Dich nicht mehr so nennen?)
    si tacuisses, philosophus mansisses.
    Dennoch freue ich mich für Dich, daß Du Gelegenheit genommen hast, Deine´Psychohygiene in aller Öffentlichkeit zu betreiben, indem Du Dir allen Frust von der Seele geschrieben hast.

    Was meint Herr Dr. Radtke mit "Frust von der Seele geschrieben"? Vielleicht den bisher unglücklich verlaufenden "Kampf um das Geld", mit den Stoppschildern des Landessozialgerichts und der Senatsverwaltung?

    „Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.“

    Dazu ein Cicero-Artikel über fünf Fallbeispiele aus der deutschen Politik, die zeigen, wie man sich ins Verderben stürzt.

    Hatte Herr Dr. Radtke so etwas in der Art im Sinn, als er die Redensart einsetzte? Möglicherweise, wohl eher ja als nein, denn die Fettschrift muss ja auch einen Sinn haben, oder? So betrachtet eine bedeutungsvolle Einleitung.

  • Uwe Gerber

    "Erfurter Resolution / derfluegel.de"

    Dr. Radtke scheibt:

    Ich habe die "Erfurter Resolution" unterzeichnet und ich stehe dazu. Auch hier gilt:
    durchlesen, nachdenken und erst dann bewerten und nicht unreflektiert nachplappern, was andere hineininterpretieren.
    Da ist weder "braunes" noch rechtsradikales Gedankengut enthalten. […]

    Wichtig an dem Text sind nicht die Worte, sondern der Verfasser und sein Zweck.

    Wikipedia über den Verfasser:

    Der Flügel ist eine als völkisch und nationalistisch eingestufte Gruppierung innerhalb der Partei Alternative für Deutschland. Er wurde im Januar 2019 vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft, […]. Die Führung knüpft nach Einschätzung von Extremismusforschern bewusst an den rechtsextremistischen und nationalsozialistischen Sprachgebrauch an. Der Flügel gilt als Sammelbecken radikaler Kräfte innerhalb der Partei […]

    Wikipedia über den Zweck:

    Mit der […] „Erfurter Resolution“ versuchte der Flügel 2015, die AfD gegen Bernd Lucke, den ursprünglichen Gründer der Partei […] auf einen nationalkonservativen Kurs zu bringen.

  • Uwe Gerber

    Dr. Radtke scheibt:

    Du bist Opfer und zugleich Förderer der Systempropaganda.

    "Systempropaganda" gab es mal in Deutschland. Im III. Reich war dafür das "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" unter Führung von Joseph Goebbels zuständig. In der DDR das Zentralkomitee der SED bzw. die "ZK-Sekretäre für Agitation und Propaganda". Einer dieser Sekretäre war mal Horst Sindermann, er erfand den Begriff "antifaschistischer Schutzwall" für die Berliner Mauer. 

    Und heute?

    Was Herr Dr. Radtke persönlich unter "Systempropaganda" versteht, weiß ich nicht. Aber das es dafür kein ausgewiesenes Amt gibt, meint er vielleicht das, was einige Mitmenschen unter dem Kampfbegriff "Lügenpresse" oder "Systemmedien" zusammenfassen? Dazu Wikipedia:

    Mit Bezug auf die Medien der Weimarer Republik sprachen Nationalsozialisten auch oft von „Systempresse“. Im deutschsprachigen Rechtsextremismus wird oft ebenfalls von „Systempresse“ […] gesprochen, um die Annahme einer zentralen Lenkung der Medien verschwörungstheoretisch auszudrücken.

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