Kammerpräsident beantwortet die Offene Nachfrage der IUZB zur Aufgabe von Ewald Harndt als Namensgeber für die Ehrungsmedaille der Zahnärztekammer Berlin K.d.ö.R.

Der Präsident der Zahnärztekammer Berlin, Herr Dr. Karsten Heegewaldt, hat unsere bzw. Herrn Gerhard Gneist seine Offene Nachfrage zur Aufgabe von Ewald Harndt als Namensgeber für die Ehrungsmedaille der Zahnärztekammer Berlin K.d.ö.R. vom 09. November 2019 heute über den Kammergeschäftsführer, Herrn Dr. Jan Fischdick, wie folgt beantwortet bzw. beantworten lassen:

Sehr geehrter Herr Gneist,

im Namen von Dr. Heegewaldt darf ich [Herr Dr. Fischdick] Ihnen die Nachfragen zu Ewald Harndt wie folgt beantworten:

Frage 1. Liegen Ihnen bzw. der Kammer über seine NS Vergangenheit weitere ergänzende und sogar neuere Erkenntnisse vor?

Antwort: Dem Vorstand der Zahnärztekammer Berlin liegen keine neuen Erkenntnisse über Verhalten und Tätigkeit von Ewald Harndt während der Zeit des Nationalsozialismus vor. Die auch von Ihnen bzw. Herrn Gerber uns zur Kenntnis gegebenen Informationen waren uns bereits bekannt. Darüberhinausgehende oder neuere Erkenntnisse liegen uns nicht vor.

Frage 2. Beschäftigt sich derzeit jemand wissenschaftlich mit Ewald Harndt?

Antwort: Ob sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit die Person und das Wirken von Ewald Harndt in der Zeit von 1933-1945 beschäftigt, ist uns nicht bekannt. Im Rahmen der Ausarbeitung der NS-Vergangenheit durch BZÄK und KZBV wurde die Person Ewald Harndt nicht gesondert betrachtet. Eine Wertung über das Verhalten Harndts im genannten Zeitraum kann hieraus unseres Erachtens in keine Richtung vorgenommen werden.

Frage 3. Können Sie mir bitte per eMail eine Ausgabe des Begleitheftes zur Medaille schicken?

Antwort: Das im Jahr 2001 erstellte Begleitheft zur Verleihung der Harndt-Medaille finden Sie beigefügt.

Frage 4. Hat der jetzige Wechsel des Namensgebers für die Ehrenmedaille der Zahnärztekammer Berlin etwas mit der Biografie von Ewald Harndt in der Zeit des Nationalsozialismus von von 1933-1945 zu tun?

Antwort 4.1.: Hintergrund des Namenswechsels zu Philipp-Pfaff war in erster Linie die Überlegung im 30. Jahr des Mauerfalls einen Namenspatron für die Ehrung der Zahnärztekammer Berlin zu finden, welcher sowohl im Westteil Berlins als auch im Ostteil bekannt und akzeptiert ist. In ganz Berlin liegt eine große Bekanntheit des Namens Philipp Pfaff allein schon durch das gemeinsame Fortbildungsinstitut mit der Landeszahnärztekammer Brandenburg vor. Im Ostteil der Stadt ist Philipp-Pfaff u.a. durch die ehemalige Ehrenmedaille der deutschen Gesellschaft für Stomatologie in Erinnerung, eine Ehrenmedaille, die – im Rahmen der Möglichkeiten der Deutschen Gesellschaft für Stomatologie in der DDR – weitgehend unpolitisch vergeben wurde.

Zudem wurde durch den Vorstand entschieden, zum 30jährigen Jubiläum der organisierten Individualprophylaxe, welche 1989 in Berlin initiiert wurde, diesen Namenswechsel vorzunehmen und an die Tradition, die im Nachgang erfolgreich am Philipp-Pfaff-Institut mit den Aufstiegsfortbildungen zur ZMP und zur DH fortgesetzt wurde, anzuknüpfen. Auch die Steigerung der Bekanntheit unseres Instituts durch die Vergabe der Ehrenmedaille gleichen Namens, sowie der bundesweit höhere Bekanntheitsgrad von Philipp Pfaff war Teil der Überlegungen. Letzteres auch vor dem Hintergrund, dass diese Ehrung durch die Zahnärztekammer der Bundeshauptstadt verliehen wird.

Antwort 4.2.: Die nicht abschließend geklärte Rolle von Ewaldt Harndt in der Zeit von 1933-1945 und die aus unserer Sicht unzureichende Faktenlage über die Hintergründe des Eintritts von Ewald Harndt in die NSDAP auf der einen Seite und der im Zusammenhang mit einer unterlassenen Berufung zum Professor in den späten 1930er Jahren wegen der Einschätzung der Unzuverlässigkeit von Ewald Harndt im Hinblick auf die Unterstützung der Ziele der NSDAP auf der anderen Seite, ließen bei uns keine abschließende Bewertung zu. Jedenfalls hat der Vorstand aber entschieden, wegen der nicht abschließend geklärten Rolle eine Umbenennung zum jetzigen Zeitpunkt als sinnvoll zu erachten und aus den vorgenannten Gründen unter 1. zum neuen Namen vorzunehmen.

Weder folgt aber aus der Umbenennung des Ehrenpreises eine Herabsetzung der Verdienste Ewald Harndts in der Zeit als Rektor der Freien Universität, ordentlicher Professor und Wissenschaftler an der FU Berlin noch der bisherigen Preisträger, deren herausragende Verdienste um den zahnärztlichen Berufsstand zur Ehrung führten. Einen Ehrenentzug für den Namenspatron oder die geehrten Personen lässt sich hieraus nicht konstruieren und erst eine solche Behauptung schadet den geehrten Personen und dem Ansehen Ewald Harndts.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Dr. Karsten Heegewald

7 Kommentare

  • Uwe Gerber

    Zu 3: Ewald Harndt seine Mitgliedschaften in den NS Organisationen  NS-Ärztebund, NS-Dozentenbund und Sanitärkorps NSKK und in der NSDAP werden im Begleitheft der Ewald Harndt Medaille nicht genannt.

    Sie werden umschrieben mit:

    Dennoch konnte Ewald Harndt nur durch Zugeständnisse an das System seine akademische Laufbahn fortsetzen.

  • Anonymous

    Was geschieht nun mit den in der Kammer noch vorhandenen bereits bezahlten Ewald-Handt-Medaillen? 

    • Anonymous

      Ich würde sie dem Freien Verband der Zahnärzte in Berlin verschenken. Dann kann Dr. Radtke sie ja an die AFD-Kollegen im Freien Verband verteilen.

  • Anonymous

    Sollte man bei Ebay verhökern und die beiden Verfasser des Antworttextes als Sofortkaufangebot „Kuriose Dres. Seltsam´s“ für 0,01 € gleich mit.

    Für die bereits Geehrten sollte die Zahnärztekammer Berlin eine Medaillenumtauschaktion initiieren, damit diese Geehrten nicht mehr mit dem Abbild eines womöglichen NS-Sympathisanten konfrontiert sind.

    An die Kollegen Bolstorff und Gromball: Bitte verzeihen Sie diesen Schmuddelkindern. Viel ist nicht übrig geblieben, aus der Zeit in der Sie Ihre Ehrenämter mit Bedacht und Würde ausgeübt hattencrying.

    • Uwe Gerber

      An die Kollegen Bolstorff und Gromball: Bitte verzeihen Sie diesen Schmuddelkindern. Viel ist nicht übrig geblieben, aus der Zeit in der Sie Ihre Ehrenämter mit Bedacht und Würde ausgeübt hattencrying.

      Völlig wertungsfrei, aber damit bitte nichts durcheinander gerät: Die Ehrenmedaille und Ewald Harndt als Namenspatron wurde federführend von Dr. Bolstorff und Dr. Gromball eingeführt, siehe Delegiertenversammlungen vom 28.09.2000, 16.11.2000 und 22.03.2001.

    • Anonymous

      Der Kollege Gromball und ich hatten mit unseren damaligen Vorstandskollegen den Wunsch, eine Ehrung unserer Kammer ins Leben zu rufen. Auch nach intensiver Forschung hatten wir keinen Grund, an dem von uns sehr verehrten Prof E. Harndt zu zweifeln. Offenbar gibt es neue Erkenntnisse, die ich noch nicht kenne, die den heutigen Vorstand veranlassten, der Ehrung einen neuen Namen zu geben. Das anonyme Urteil empfinde ich als unkollegial! C. Bolstotff

      Christian Bolstorff

      • Uwe Gerber

        Sehr geehrter Herr Dr. Bolstorff,

        vielen Dank für Ihren Kommentar.

        Nun, Ihre damalige Entscheidung liegt 20 Jahre zurück und damals lag das Internet noch in den Anfängen.

        Ich habe die Antwort des Präsidenten Hern Dr. Heegewaldt und des Geschäftsführers Herrn Dr. Fischdick so verstanden, dass die Umbenennung nicht erfolgte, weil neue Erkenntnisse vorliegen, sondern dass es sich um eine prophylaktische Entscheidung handelt. Wobei es von beiden leider nicht erwähnt wird, aber es doch naheliegend ist, dass diese Entscheidung auch mit einer situativen Neueinordnung in Bezug auf die gestern veröffentlichen gemeinsamen Meldung der Bundeszahnärztekammer, KZBV und DGZMK: "Erinnerung wachhalten: Geschichte als Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft: Studien zur Rolle der Zahnärzteschaft in der NS-Zeit" zusammenhängt.

        Ihre Anmerkung:

        "Das anonyme Urteil empfinde ich als unkollegial"

        kann ich nachempfinden. Sachdienlich und dem Ehrengedanken hätte es entsprochen, den Sachverhalt der Delegiertenversammlung vorzulegen und dort zu besprechen. Geschichte im Kontext neu zu bewerten verlangt Offenheit. Aber dort wurde eine Diskussion bei Nachfragen aus der IUZB und der Fraktion Gesundheit vom Vorstand leider abgewürgt! Darum auch die Offene Nachfrage von Herrn Gneist.

        Nachdem ich mich im Auftrag von Herrn Gneist mit den vorliegenden Materialien aus dem Internet beschäftigt habe, möchte ich der Zahnärztekammer Berlin empfehlen,

        • zur Aufarbeitung der zeitgeschichtlichen Persönlichkeit Ewald Harndt und die nach ihm über fast 20 Jahre benannte Ehrenmedaille, einen ausgebildeten Historiker zu beauftragen, die im Landesarchiv Berlin befindliche Vereinsakte der „Freigeistlichen Gemeinde Berlin“ bzw. dann ab dem 18.10.1933 der „Gemeinde deutschen Glaubens“ sowie den Quellenbezug 2004 auf die Unterlagen seines Vaters "Adolf Harndt papers, unpag." in Bezug auf Ewald Harndt zeitchronologisch auszuwerten und auch mit dem von Harndt seinem im Jahr 1968 veröffentlichten Offenen Brief über ihn selbst und den dortigen erklärenden Angaben „Ich habe nichts zu verbergen“ und seinem Verhältnis zum Widerstandkämpfer Otto Braß (1968 BZ, "wochenlang versteckt") auf Plausibilität abzugleichen.

        Grund: Quelle 1968 (Welt), Quelle 1968 (BZ), Quelle 1999, Quelle 2004, Quelle 2010 und Quelle 2014.

        Hier für Klarheit und Transparenz zu sorgen, verlangt der Respekt gegenüber den Trägern der Ehrenmadaille, aber ebenso auch gegenüber Ewald Harndt.

        Vielleicht möchten Sie als Präsident a.D. den Gedanken aufgreifen und sich mit dem amtierenden Präsidenten Herrn Dr. Heegewaldt besprechen?

        Viele Grüße

        Uwe Gerber
        Redakteur IUZB e.V.

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