Blickpunkt „Personal-Misere“: 10 Jahre später kommt, was wohl kommen musste

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
„Das kann mir nicht passieren“, wiegen sich wohl manche Kollegen in Sicherheit, wenn es über lange Jahre keine Probleme mit Mitarbeitern gab. Sie glauben, alles sei in bester Ordnung und würde noch lange so weitergehen. Dann der Schock, eine langjährige Mitarbeiterin kündigt plötzlich unerwartet. Noch dazu die Hauptfachkraft. Ab dem nächsten Monat steht man gefühlt erst einmal fast alleine da. Diese Erfahrung musste auch ich kürzlich machen.

So beginnt der Vizepräsident Herr Dr. Michael Dreyer (FVDZ) seinen MBZ-Leitartikel „Auf Mitarbeiter-Suche“.

Zehn Jahre später schlägt der Blitz ein

Nun, die vom Vizepräsidenten beschriebenen – und nicht nur ihn betreffenden – Schwierigkeiten sind aber leider auch mit selbstverschuldet.

Hat doch die Zahnärztekammer Berlin 2009 die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Zahnmedizinischen Fachangestellten (AAZ) verlassen und so den Grundstein für die jetzige Personal-Misere mitgelegt. Denn es war abzusehen, dass diese Entscheidung zeitversetzt dem Berufstand auf die Füße fallen würde. Die demografische Entwicklung war schließlich schon damals bekannt. Erst ein paar Euro sparen – und später draufzahlen – durch Personalknappheit.

Vom Verband medizinischer Fachberufe wurde der Ausstieg damals scharf kritisiert, siehe hier und hier. Aber auch die IUZB hinterfragte diese Entscheidung in der Vergangenheit, siehe hier, hier (VmF Gastbeitrag), hier und hier.

Leider zeigt der Kammervorstand selbst keine (späte) Einsicht, stattdessen schreibt der Vizepräsident:

Es heißt auch, qualifizierte Mitarbeiter besser zu bezahlen. Allein aus diesem Grunde müsste der Politik unsere langjährige Forderung nach einer Erhöhung des GOZ-Punktwertes nachvollziehbar sein. Bekanntermaßen können die Argumente noch so richtig sein, sie werden (bisher) nicht gehört. Auch hier werden wir für Sie am Ball bleiben.

Gleichzeitig wird aber jetzt bei den Auszubildenden fast schon ein „Taschenspielertrick“ angewendet, nur um erneut ein paar Euronen zu „sparen“.

Geändert hat sich zu 2009 ideologisch also nicht wirklich etwas. Schade!

Die in der MBZ erschienenen Fachartikel zur Mitarbeiterfindung und -bindung sind dennoch lesenswert und es ist gut, dieses Problem offensiv anzugehen.

 

Uwe Gerber

 

Ein Kommentar

  • Anonymous

    Liebe Mitstreiter, als positive Erinnerung zählte Macron angeblich das Engagement von der Leyens inoffiziell auf, dass sie einen Gipfel für die Vermittlung arbeitsloser (süd)europäischer Jugendlicher mit allem staatlichen Pipapo ( Sprachkurs usw.) initiierte. Hmmmmm. Merke nicht viel davon. Meine letzten Erfahrungen sind schlecht. Viel läuft da nicht. Hat einer andere Erfahrungen? Grüße Stefan