BILD: Dicke Geldprobleme / Schock-Bericht über Lebensversicherungen

Bundesfinanzministerium: Das Bundesfinanzministerium hat einen Bericht an den Bundestags-Finanzausschuss gesendet, der die Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes und den daraus resultierenden Anpassungsbedarf des Gesetzes beinhaltet.

Presse dazu:

  • BILD: Dicke Geldprobleme / Schock-Bericht über Lebensversicherungen
  • Handelsblatt: „Finanzielle Probleme“ Bundesfinanzministerium sieht Gefahren bei 34 Lebensversicherern
  • vzbv: Lebensversicherungen: Verbraucher besser beteiligen

Weiterführend:

Ausschuss für Finanzstabilität: Fünfter Bericht an den Deutschen Bundestag zur Finanzstabilität in Deutschland

Auszug:

Lebensversicherer weiter vor Herausforderungen

Die niedrigen Zinsen belasten die deutschen Lebensversicherer weiter erheblich.
Aktuell liegen die Marktzinsen deutlich unter den durchschnittlichen Zinsgarantien der Lebensversicherer. Deshalb stehen viele Lebensversicherer vor der Herausforderung, hinreichend Erträge zu erwirtschaften, um ihre langfristigen Verpflichtungen zu erfüllen. Der Ausschuss betonte daher die Notwendigkeit ausreichender Risikopuffer, um systemische Effekte aus der gleichgerichteten Anfälligkeit vieler Lebensversicherer zu verhindern. Gemessen an den regulatorischen Solvenzquoten scheint die Widerstandsfähigkeit der Versicherer zwar solide zu sein. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass erstens die Heterogenität der Solvenzquoten hoch ist. Zweitens zeigen die Solvenzquoten die ökonomische Risikotragfähigkeit der Unternehmen nicht vollständig auf, da viele Unternehmen Übergangsmaßnahmen anwenden.

Ein Zinsanstieg würde grundsätzlich positiv auf die Solvenz der Lebensversicherer wirken, birgt aber auch Risiken. Steigende Zinsen gehen mit verbesserten Solvenzquoten einher, da Versicherer gegebene Zinszusagen umso leichter erwirtschaften können, je höher die Zinserträge auf ihre Kapitalanlagen ausfallen. Der Ausschuss konstatierte aber, dass ein Zinsanstieg die Lebensversicherer dennoch belasten könnte. So würden sich bei abrupt steigenden Zinsen die Anreize für Versicherungsnehmer erhöhen, ihren Vertrag zu kündigen, um von der höheren Rendite am Markt zu profitieren. Denn die Rückkaufswerte in deutschen Lebensversicherungsverträgen sind aufgrund regulatorischer Vorgaben unabhängig vom Marktzins. Unter bestimmten Modellannahmen besteht bei einem sehr schnellen und starken Zinsanstieg das Risiko einer Kündigungswelle und damit großer Liquiditätsabflüsse. Lebensversicherer könnten in einem solchen Extremfall gezwungen sein, Kapitalanlagen zu deutlich gesunkenen Marktwerten zu veräußern.

Der Ausschuss befasste sich darüber hinaus mit möglichen Risiken aus der Finanzierung der Zinszusatzreserve. Er betonte, dass die Zinszusatzreserve dabei helfe, Kapital für erwartete künftige Belastungen aus Garantieverpflichtungen frühzeitig in den Unternehmen zu binden. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass auch bei moderat steigenden Zinsen in den kommenden Jahren mit erheblichen Aufwendungen für den Aufbau der Zinszusatzreserve zu rechnen sei.

Ein Rückgang der Bewertungsreserven nach einem Zinsanstieg erschwert die Finanzierung und es könnte zu deutlichen handelsrechtlichen Verlusten bei Lebensversicherern kommen.

Lebensversicherer investieren stärker in Investmentfonds, auch um Puffer für künftige Verluste aufzubauen. Deutsche Versicherer haben in den vergangenen Jahren ihre Anlagen bei deutschen Banken reduziert. Zugleich haben sie ihre Anteile an Investmentfonds erhöht. In Fondsanlagen können sie über stille Reserven Puffer für künftige Verluste aufbauen, was aus Sicht der Finanzstabilität positiv ist.

Bedeutung des Investmentfondssektors gestiegen
Der Investmentfondssektor ist in den vergangenen Jahren sowohl in Deutschland als auch global stark gewachsen. Aus Sicht des Ausschusses kann dies die Gefahr negativer Liquiditätsspiralen erhöhen. Diese könnten entstehen, wenn Fonds in Reaktion auf stark zunehmende Anteilsscheinrückgaben kurzfristig in großem Umfang Vermögenswerte verkaufen müssen. Die dadurch fallenden Vermögenspreise könnten wiederum dazu führen, dass die Bewertung der Fondsanteile sinkt und Investoren weitere Anteile zurückgeben. Der Ausschuss befasste sich mit möglichen Regulierungsmaßnahmen, um solchen Liquiditätsrisiken zielgerichtet entgegenzuwirken. Er stellte jedoch fest, dass zunächst offene Fragen zur Ausgestaltung und zu einem möglichen Einsatz der Instrumente zu klären seien.